Research Prize 2015

Bis vor etwa 15 Jahren lautete die unter Neurowissenschaftlern vorherrschende Meinung, dass die Entwicklung des Nervensystems nach der frühen Kindheit weitgehend abgeschlossen ist. Blakemore hat anhand einer Reihe von wissenschaftlichen Erkenntnissen belegt, dass das Gehirn von Jugendlichen einem Entwicklungsprozess unterliegt.

Das soziale Gehirn entwickelt sich in der Pubertät

Ihre Forschung zeigt, dass sich in der Adoleszenz die Art und Weise, wie emotionale und soziale Informationen über andere Menschen verarbeitet werden, sowie das Selbstbewusstsein und die Entscheidungsfähigkeit verändern. Ihre Forschungsergebnisse machen deutlich, dass neuronale Reaktionen auf soziale Ausgrenzung, riskante Entscheidungen und die Interpretation sozialer Emotionen einem Entwicklungsprozess unterliegen. Das soziale Gehirn, also die für die soziale Kognition zuständigen Gehirnregionen, unterliegt strukturellen Veränderungen und einer funktionalen Reorganisation in der zweiten Lebensdekade, die somit eine sensitive Phase für die Anpassung an das soziale Umfeld sein kann.

Daher ist das typische Verhalten in der Pubertät nicht hauptsächlich auf Hormone und Veränderungen des sozialen Umfelds zurückzuführen, sondern zumindest zum Teil auf adaptive, natürliche und unausweichliche biologische Entwicklungen des Gehirns. Das für die Pubertät typische Verhalten wie Risikobereitschaft und Beeinflussung durch Gleichaltrige kann förderlich sein, da es tief in der menschlichen Entwicklung verwurzelt ist. Daher sollte es nicht länger als nur riskant und problematisch erachtet werden, sondern als erforschend und potenziell sozial förderlich.

Meine Laborforschung erfährt mit diesem bedeutenden Preis der Jacobs Foundation eine grossartige Anerkennung

UCL Professorin Sarah-Jayne Blakemore

„Es ist mir eine grosse Ehre, mit dem Klaus J. Jacobs Prize ausgezeichnet zu werden. Ich bin unbeschreiblich stolz auf meine wunderbaren Mentoren und die phantastischen Menschen, die in meinem Team an der UCL mit mir in den vergangenen 13 Jahren gearbeitet haben. Und ich bin den vielen Kindern und Jugendlichen und Schulen dankbar, die an unseren Studien teilgenommen und damit unsere Forschung ermöglicht haben. Ich möchte mich für die Unterstützung der Kollegen bedanken, die mich für diesen Preis nominiert haben, es macht mich glücklich, mit ihnen zu arbeiten“, sagt Sarah-Jayne Blakemore.

 

 

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