Research Prize 2010

Terrie Moffitt und Avshalom Caspi haben neue Perspektiven auf das Zusammenspiel von Erbanlagen und Umwelteinflüssen bei der Entwicklung von Kindern eröffnet. 2002 veröffentlichten Terrie Moffitt und Avshalom Caspi im renommierten Wissenschaftsjournal «Science» bahnbrechende Erkenntnisse zum komplexen Zusammenspiel von Erbanlagen und Umwelteinflüssen bei der Entwicklung von antisozialem Verhalten:

Aufgrund von Daten aus einer neuseeländischen Langzeitstudie konnten die beiden Wissenschaftler nachweisen, dass der Einfluss der Erbanlagen von Umwelteinflüssen abhängig ist. In ihrer Kindheit misshandelte Männer, die mit einer bestimmten Version des so genannten MAOA-Gens ausgestattet waren, zeigten eine höhere Neigung zur Gewalttätigkeit. Bei Männern mit einer anderen Version desselben Gens war dagegen die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie ein antisoziales Verhalten entwickeln würden, selbst wenn sie in ihrer Kindheit misshandelt worden waren.

Die Studie wirkte als Startschuss für zahlreiche weitere Untersuchungen zum Wechselspiel von genetischer Disposition und Umweltfaktoren. Das britisch-israelische Forscherpaar widerlegte dabei den verbreiteten Glauben an genetischen Determinismus. Es konnte aufzeigen, wie genetische Auswirkungen auf Gesundheit und Verhalten oft von Umwelteinflüssen abhängig sind, welche die Menschen kontrollieren können. Caspi und Moffitt entwickelten eine Taxonomie jugendlicher Straftäter, die verdeutlicht, dass rund 95 Prozent aller kriminogenen Auffälligkeiten auf die Adoleszenz beschränkt bleiben und damit behandelbar sind. Darüber hinaus erbrachten sie auch als erste den Nachweis, dass rund die Hälfte der Erwachsenen mit psychischen Problemen bereits diagnostizierbare Störungen hatten, bevor sie 15 Jahre alt waren. Entsprechend gross ist die Bedeutung von Präventions- und Behandlungsprogrammen, die frühzeitig im Kindesalter ansetzen.

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Terrie Moffitt und Avshalom Caspi