Leila Tarokh, PhD: Mitglied des Jacobs Network

Wenn Kinder nicht zu genügend erholsamem Schlaf kommen, bereitet dies auf Dauer auch ihren Eltern schlaflose Nächte. Die Sorge der Eltern ist berechtigt, denn die Forschung zeigt: genügend Schlaf wirkt sich positiv auf die Aufmerksamkeit, das Verhalten, die Lernfähigkeit und das Gedächtnis aus. Insgesamt gelten Kinder, die regelmässig ausgeschlafen in den Tag starten können, als psychisch und physisch gesünder.

In der Forschung zur Schlafqualität von Jugendlichen zeigte sich, dass Erbfaktoren eine wichtige Rolle spielen. Heranwachsende können aufgrund ihrer genetischen Vorbelastung unter schlechtem Schlaf leiden. Zudem ist das Zusammenspiel von Psyche und Schlaf bei Jugendlichen besonders fragil. Für die Wissenschaft ist dies Grund genug, mit einem detaillierten Blick auf diese Zusammenhänge zu schauen.

Leila Tarokh, kognitive Neurowissenschaftlerin und Schlafforscherin, gehört zum Jacobs Network. Sie untersucht, wie verschiedene Körperfunktionen unseren Schlaf beeinflussen. Leila legt dabei besonderen Fokus auf psychiatrische Erkrankungen, welche das Schlaferlebnis im Gehirn verändern. Denn je mehr über das Zusammenspiel von Schlaf und Psyche bekannt ist, umso bessere Behandlungsmöglichkeiten stehen in Zukunft zur Verfügung.

Dank einem Stipendium der Jacobs Foundation begann Leila die Vererbbarkeit von Schlafrhythmen bei Heranwachsenden zu untersuchen. Sie arbeitet unter anderem mit dem Verfahren “high-density waking and sleep EEG”. Dabei handelt es sich um eine Untersuchungsmethode, welche die elektrische Aktivität der Hirnrinde über Elektroden misst. Dazu werden die jugendlichen Studienteilnehmenden mit Kopfhautsensoren ausgestattet. Diese Sensoren erlauben der Neurowissenschaftlerin gewisse Gehirnaktivitäten während des Schlafs zu messen.

Leila ist Group Leader an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universität Bern in der Schweiz. Zurzeit untersucht sie den Schlaf von Heranwachsenden mit schweren Depressionen.

Gleich und doch verschieden: Eineiige Zwillinge mit unterschiedlichen Konnektivitätsmustern im Gehirn

Das Erbmaterial von eineiigen Zwillingen ist nahezu identisch. Zudem wachsen Zwillinge in  der Regel im gleichen familiären und sozialen Umfeld auf. Trotz all dieser Gemeinsamkeiten zeigt sich, dass sich ihre Schlafmuster im Gehirn unterscheiden. Leila arbeitet für ihre Forschung mit Zwillingen um zu verstehen, wie selbst geringe Unterschiede in frühen Jahren einen langfristigen und nachweisbaren Einfluss auf unser Gehirn und unsere Schlafqualität haben können.

Wir haben Leila einige Fragen zu ihrer Arbeit gestellt:

Leila, wie bist du auf die Idee gekommen, die zerebrale Entwicklung von Zwillingen zu untersuchen?

Als Postdoc arbeitete ich mit Mary Carskadon, eine der renommiertesten Schlafforscherinnen der USA: Ich war fasziniert, dass jeder Mensch unterschiedliche Schlafrhythmen und Gehirnaktivitäten aufweist. Wir erkannten Schritt für Schritt, wie sich einzelne Teile unserer Forschung zu einem Gesamtbild verdichteten: Einzelne Gehirnaktivitätswerte während des Schlafs korrelierten mit kognitiven Funktionsveränderungen. Auch erkannten wir, dass grosse individuelle Unterschiede mit wichtigen Gehirnfunktionen zusammenhängen. Um diese Unterschiede zu verstehen arbeiten Forschende gerne mit Zwillingen. Manchmal bezeichnen wir Zwillinge auch als ein „Experiment der Natur“, denn eineiige Zwillinge haben fast identische Gene.

Was war ein besonders spannendes Ergebnis deiner bisherigen Arbeit?

Uns hat wirklich überrascht, dass sowohl genetische Faktoren wie auch Umwelteinflüsse unser Gehirn so aktiv mitgestalten. Dabei kommt es sehr darauf an, was und wo im Gehirn gemessen wird. Wir können also den Einfluss von „nature and nurture“ beziehungsweise von Veranlagung und Umwelt auf den Schlaf wissenschaftlich nachvollziehen. Das Faszinierende dabei ist, dass wir so Schritt für Schritt besser verstehen, was uns als Menschen und Persönlichkeiten eigentlich ausmacht.

Du bist Mitglied des Jacobs Networks. Wie unterstützt oder beeinflusst dies deine Forschungsarbeit?

Ich bin der Jacobs Foundation unendlich dankbar, mit ihrer Unterstützung der Zwillingsstudie konnte ich eine meiner brennendste Forschungsfragen beantworten. Darüber hinaus öffneten sich mir neue Türen, um mich als unabhängige Forscherin zu etablieren.

Kannst du uns etwas über die nächsten Schritte deiner Forschungstätigkeit erzählen? Wie und wo wünschst du dir, dass deine Arbeit Verwendung findet?

Viele Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen leiden unter Schlafproblemen. Diese Erkrankungen starten oft bereits in der Pubertät. Könnten wir mit Schlaf-EEGs künftig erkennen, welche Teenager anfällig für eine psychiatrische Störung sind, so würde eine frühe Unterstützung die Entwicklung positiv beeinflussen können. Wir sind aktuell dabei mittels einer gross angelegten Stichprobe Schlaf-EEGs von Jugendlichen zu erfassen und die Heranwachsenden über einen längeren Zeitraum zu begleiten. So können wir verfolgen, welche der Jugendlichen psychische Probleme entwickeln.

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