Zwei Preise zeigen, was in der frühkindlichen Entwicklung wirklich zählt

Die Jacobs Foundation gibt die Preisträger der diesjährigen, mit 1,2 Millionen Schweizer Franken dotierten Klaus J. Jacobs Awards bekannt: Professor Orazio P. Attanasio, Leiter des Department of Economics am University College London (UCL) und Research Director am Institute for Fiscal Studies, erhält eine Million Schweizer Franken für die Evaluation von Programmen der frühen Kindheit in einkommensschwachen Ländern anhand von ökonomischen Modellen und Feldversuchen sowie die Mitgestaltung der Politik in diesem Bereich. 200.000 Schweizer Franken gehen an ICS-SP in Kenia für ihr „Skillful Parenting”-Programm in Ostafrika, das frühkindliche Entwicklung, Erziehung und landwirtschaftliche Praktiken in ländlichen Gegenden verbessern will.

Zürich, 12. Oktober 2016In der frühen Kindheit werden wichtige Weichen für die Entwicklung kognitiver und sozialer Fähigkeiten gestellt; Erfolg im Erwachsenenalter hängt in hohem Masse von diesen ersten Jahren ab. Wir müssen daher verstehen, was in der frühkindlichen Entwicklung wirklich zählt: Wie erfolgreich sind Interventionen? In welchem Alter sollten sie bei Kindern eingesetzt werden? Die Jacobs Foundation mit Sitz in Zürich widmet sich seit Jahren diesen wichtigen Fragen und fördert Forschung und Best Practice im Bereich der Kinder- und Jugendentwicklung mit den Klaus J. Jacobs Awards. Die Verleihung der diesjährigen Preise findet am 2. Dezember im Rahmen einer Festveranstaltung an der Universität Zürich statt.

Professor Orazio P. Attanasio – Preisträger Klaus J. Jacobs Research Prize 2016

Professor Orazio P. Attanasio, Leiter des Department of Economics am University College London (UCL) und Research Director am Londoner Institute for Fiscal Studies, hat neues Forschungsterrain betreten, indem er ökonomische Modelle in Kombination mit Feldversuchen verwendet und damit Gesundheits- und Bildungsmassnahmen für die frühkindliche Entwicklung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen evaluiert und politische Prozesse mitgestaltet. Inspiriert durch ein Hausbesuchsprogramm in Jamaika entwickelte Professor Attanasio mit seinem Team ein Stimulations- und Ernährungsprogramm mit Hausbesuchen in 96 kolumbianischen Städten – einschliesslich der grössten Evaluation eines Programms dieser Art. Nach 18 Monaten hatten sich die kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten der teilnehmenden Kinder erheblich verbessert. Das Forschungsteam konnte nachweisen, dass die Entwicklungsfortschritte auf eine grössere zeitliche „Investition” der Eltern in ihre Kinder (wichtig für sozioökonomische Fähigkeiten) und auf mehr anregende Gegenstände wie Spielzeug und Bücher (wichtig für die kognitive Entwicklung) zurückzuführen waren.

Professor Orazio P. Attanasio sagt: „250 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind in Entwicklungsländern in Gefahr, ihr Entwicklungspotenzial nicht zu erreichen. Wir wollen, dass Eltern mehr Zeit in ihre Kinder investieren und ihnen eine anregende Umgebung bieten. Es ist extrem wichtig, dass wir verstehen, wie sich dieser Einsatz der Eltern auf die Entwicklung der Kinder auswirkt. Denn nur so können effektive Programme und Strategien entwickelt werden.”

Mit dem Preisgeld des Klaus J. Jacobs Research Prize wird Attanasio ein Interventionsprogramm im ländlichen Indien umsetzen und auswerten, das Kindern verschiedener Altersgruppen und in unterschiedlichen Umfeldern bessere Betreuung bieten soll. Das Programm soll neue Hinweise darauf liefern, wie sich frühe Interventionen zu Hause und in Bildungseinrichtungen für ältere Kinder gegenseitig beeinflussen.

ICS-SP – Preisträger des Klaus J. Jacobs Best Practice Prize 2016

Kinder brauchen ein sicheres und liebevolles Zuhause, um gesund und glücklich aufzuwachsen. Doch viele Kinder in Entwicklungsländern sind davon weit entfernt. Zu den zahlreichen Risikofaktoren gehören Armut, mangelnde Fürsorge, schlechte Ernährung und Gewalt. Immer mehr Forschung aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zeigt, dass Elterntraining in diesen Gegenden eine effektive Massnahme darstellt, um Gewalt gegen Kinder zu reduzieren und eine optimale kindliche Entwicklung zu fördern. In ländlichen Teilen Ostafrikas kombiniert ICS-SP auf wissenschaftlichen Ergebnissen basierendes Training für Eltern mit Training für landwirtschaftliche Unternehmungen.

Beatrice Ogutu, Direktorin von ICS-SP in Nairobi sagt: „In Kenia werden zwei von drei Kindern Opfer körperlicher Gewalt, in Tansania fast drei Viertel aller Mädchen (72%) und Jungen (71%). Täter sind häufig die Eltern. Mit unserem „Skillful Parenting”-Programm richten wir uns an Mütter, Väter und andere Bezugspersonen. Dabei berücksichtigen wir die örtlichen Einstellungen zu Elternschaft und Familie und setzen auf bestehende Gemeinschaftsstrukturen. Diesen Ansatz haben wir mit unserem Programm für landwirtschaftliche Unternehmungen kombiniert. Beides zusammen führte zu erhöhter landwirtschaftlicher Produktivität, verbesserten Familienbeziehungen und mehr Gleichheit zwischen Männern und Frauen.“

ICS-SP ist Mitbegründerin des „Parenting in Africa Network“ und hat Regierungen, Zivilgesellschaft, Privatsektor und Spender dazu bewegt, Unterstützungsangebote für Eltern zu priorisieren und zu fördern. In den letzten Jahren hat die Kindererziehung in Ostafrika an Bedeutung gewonnen, und Regierungen zeigen zunehmend Interesse an Elternprogrammen, um Gewalt gegen Kinder zu verhindern und die frühkindliche Entwicklung zu fördern. ICS-SP wird für ihre Arbeit mit dem Klaus J. Jacobs Best Practice Prize ausgezeichnet. Die Organisation möchte ihr Datenmaterial und ihre Programmentwicklung weiter verbessern sowie neue Partnerschaften mit dem öffentlichen und privaten Sektor eingehen, um bis 2020 eine Million Eltern und Bezugspersonen zu erreichen.