Wovon hängt die Interaktion in einer Kita ab?

Was Kinder täglich in ihrer Kita erleben, hängt zu einem grossen Teil von uns Erwachsenen ab. Politiker und Träger entscheiden über die strukturellen Rahmenbedingungen, in denen die Betreuung stattfindet. Hingegen sind für die Gestaltung der konkreten Alltagssituationen die Fachkräfte in den Einrichtungen entscheidend.

Für eine gesunde Entwicklung der Kinder ist eine gute Beziehung zu den Fachkräften massgeblich. Die Interaktionen zwischen Fachkraft und Kind sollen einerseits auf emotionaler und verhaltensbezogener Ebene Sicherheit und Wohlbefinden fördern, aber andererseits auch durch aktive Lernunterstützung entwicklungsanregend sein. 
Die neu erschienene QuaKi-Studie hat mögliche Einflussfaktoren für die Interaktionsqualität untersucht. Der Fokus lag dabei auf der Bedeutung der situativen Charakteristiken (z.B. Setting, Anzahl und Funktion der anwesenden Personen) sowie der strukturellen Rahmenbedingungen (Betreuungsschlüssel, QualiKita-Zertifizierung).

QuaKi-Studie

Die QuaKi-Studie wurde am Lehrstuhl für Entwicklung und Bildung in der frühen Kindheit an der Pädagogischen Hochschule Thurgau und Universität Konstanz, in Zusammenarbeit mit dem MMI Zürich durchgeführt (Perren, Frei & Reyhing). Die Studie wurde von der Jacobs Foundation finanziell unterstützt.

Die Qualität der unterstützenden Fachkraft-Kind-Interaktionen wurde in 119 Kita-Gruppen aus verschiedenen Deutschschweizer Kantonen durch das Beobachtungsinstrument CLASS toddler erfasst. Die Beobachterinnen schätzen zum einen die Qualität der emotionalen und verhaltensbezogenen Unterstützung ein (z.B. emotionales Klima, Sensitivität der Fachpersonen oder Verhaltensregulation). Zum anderen schätzen sie die Qualität der aktiven Lernunterstützung ein (z.B. Qualität des Feedbacks, Sprachgebrauch, Förderung von Lernen und Entwicklung).

Ausgewählte Befunde

Die Beobachtungen zeigen, dass sich im Durchschnitt die emotionale und verhaltensbezogene Unterstützung in einem guten Bereich bewegt, wohingegen die aktive Lernunterstützung eher im tiefen Qualitätsbereich liegt. Das heisst, den beobachteten Fachpersonen fällt es eher schwer, die Kinder in ihren individuellen Entwicklungs- und Lernprozessen zu unterstützen. Unsere Auswertungen zeigen, dass es für die Qualität der Fachkraft-Kind-Interaktionen insbesondere auf die Gestaltung der Alltagsituationen ankommt. Leitungspersonen spielen dabei eine besondere Rolle. Situationen in denen sie anwesend sind, weisen bessere emotionale und verhaltensbezogene Interaktionen sowie eine bessere Lernunterstützung der Kinder durch die Fachkräfte auf. Weiter zeigte sich, dass es irrelevant ist, wie der Betreuungsschlüssel auf dem Papier ist, sondern dass entscheidend ist, wie viele Kinder in den einzelnen Situationen tatsächlich anwesend sind. Auch die Lernsettings an sich unterscheiden sich in ihrer Qualität. Die qualitativ besten Interaktionen konnten in geführten Gruppenaktivitäten beobachtet werden. Im Vergleich dazu fiel es den Fachkräften in Freispielsituationen schwerer, den Kindern aktive Lernunterstützung zu bieten. In Routinen und Übergangsituationen zeigte sich, dass diese scheinbar von organisatorischen Aufgaben überlagert sind und dadurch die emotionale Unterstützung der Kinder zu kurz kommt.

Ein weiterer Aspekt ist die Auseinandersetzung mit den Inhalten eines Qualitätslabels. Kitas die QualiKita zertifiziert oder im Prozess der Zertifizierung sind, zeigten das höchste Ausmass an unterstützenden Fachpersonen-Kind Interaktionen. Die Studie zeigt auch, dass es nicht ausreicht, sich an Qualitätsstandards von QualiKita zu orientieren, sondern dass die Interaktionsqualität nur dann besser ist, wenn sich Einrichtungen mit dem Label zertifizieren lassen. 

Schlussfolgerungen

Die QuaKi-Studie zeigt auf, dass es Fachkräften in der Deutschschweiz gut gelingt einen wertschätzenden und sensitiven Umgang mit den Kindern herzustellen. Hinsichtlich der aktiven Lernunterstützung besteht hingegen noch Verbesserungspotential. Der Gestaltung der Alltagssituationen kommt hierbei eine grosse Bedeutung zu. Eine vermehrte Anwesenheit der Kitaleitung im Alltag sowie eine QualiKita-Zertifizierung wirkten sich positiv aus. 

Prof. Dr. Sonja Perren ist Brückenprofessorin der Universität Konstanz und Pädagogischen Hochschule Thurgau. Seit 2012 hat sie dort den Lehrstuhl für Entwicklung und Bildung in der frühen Kindheit inne. Die aktuellen Arbeitsschwerpunkte in Forschung und Lehre liegen in den Themenbereichen Qualität in frühkindlichen Bildungs- und Betreuungsinstitutionen sowie der Entwicklung und Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen bei kleinen Kindern. 

Yvonne Reyhing ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Entwicklung und Bildung in der Frühen Kindheit der Uni Konstanz und der Pädagogischen Hochschule Thurgau. Im Jahr 2016 hat sie den Masterstudiengang Frühe Kindheit abgeschlossen. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit verschiedenen Themen der Qualität in Kindertageseinrichtungen und der professionellen Weiterentwicklung von pädagogischen Fachkräften.