Wie können Lehrer den Lernerfolg beeinflussen?

Kein Kind gleicht dem anderen. Wer Kinder und Jugendliche effektiv unterstützen möchte, muss wissen, wie sie sich entwickeln und wie sie lernen.  Die kontinuierliche Erarbeitung neuer Interventionen und Programme sowie moderner Technologien ist daher eine Top-Priorität für die Forschung, um Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung noch besser fördern zu können. In der zweiten Hälfte des Medium Term Plans 2016-2020 stellt die Jacobs Foundation im Rahmen der Wissenschaft des Lernens bis zu 1 Million CHF pro Jahr für die Finanzierung von Pilotprojekten zur Verfügung.

Selbstgesteuertes Lernen und digitale Technologien im Klassenzimmer
Kinder lernen neue Inhalte oder Fähigkeiten am schnellsten, wenn Lehrmethode und Lernumfeld auf ihr Lernniveau und ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Digitale Technologien könnten dieses individualisierte Lernen unterstützen. Allerdings wissen wir nur wenig über das selbstständige Lernen junger Schülerinnen und Schüler in digitalen Lernumfeldern, die stark ausgeprägte metakognitive Fähigkeiten erfordern. Doreen Prasse und Dominik Petko von der Pädagogischen Hochschule Schwyz planen, ein softwarebasiertes Hilfsmittel zur metakognitiven Unterstützung des individualisierten Lernens im Schulkontext zu entwickeln und zu testen. In Zusammenarbeit mit wegweisenden Schweizer Schulen haben sie die individualisierte Lernplattform Learning View bereits erfolgreich implementiert. Diese Plattform möchten sie nun um das Add-on Learn2Learn für metakognitive Unterstützung erweitern. Die Kombination dieser beiden neuartigen Lerntechnologien sollen der Forschung wichtige Erkenntnisse im Bereich der adaptiven Lernförderung bei Schulkindern liefern.

Doreen Prasse, Projektleiterin an der Pädagogischen Hochschule Schwyz betont: „Das wachsende Potenzial digitaler Lernumgebungen für die Entwicklung von Kompetenzen des selbstgesteuerten Lernens wurde bisher zu wenig beachtet.”

Unterschiedliche Umfeld-Sensibilität und die Folgen für den Schulkontext
Die Qualität des schulischen Umfeldes und die Lehrer-Schüler-Beziehung sind ausschlaggebend für die erfolgreiche Entwicklung von Kindern und können Folgen für das spätere Leben haben. Gemeinsam mit der Fachhochschule der italienischen Schweiz (Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana / SUPSI) wollen Michael Plüss und Francesca Lionetti (beide von der Queen Mary University London) eine Masszahl für Umfeldsensibilität entwickeln und validieren, die Lehrer und andere Angestellte im Bildungsbereich an Schulen im Schweizer Kanton Tessin nutzen sollen. Mit einer klar definierten Masszahl für Umfeldsensibilität können Lehrer ihre Schüler verlässlich testen und die Lehrmethode und das schulische Umfeld besser – und individuell – an die Bedürfnisse hochsensibler Kinder anpassen. Dieses neue Testinstrument könnte dann routinemässig an Schulen eingesetzt werden.

Michael Pluess, Projektleiter an der Queen Mary University London erklärt: „Wir wissen, dass Kinder unterschiedlich sensibel auf ihr Umfeld reagieren, doch bisher gibt es keine Studien, die zeigen, wie sich diese Sensibilität auf das Verhalten der Kinder und auf ihre Schulleistungen auswirkt.”

Nutzung von Textnachrichten in Interventionen zur Lernförderung in der Elfenbeinküste
Vor kurzem hat die ivorische Regierung die universelle Grundbildung für alle Kinder von 6 bis 16 Jahren eingeführt und so den Zugang zu Bildungsangeboten erweitert. Allerdings sind die Anmelde- und Anwesenheitszahlen in der Elfenbeinküste weiterhin niedrig, und die meisten Kinder verlassen die Schule, bevor sie die Primarstufe beendet haben. Im Rahmen von TRECC wird an ivorischen Grundschulen eine Kommunikationsintervention getestet, die Textnachrichten nutzt, um mithilfe der Eltern die Fehlzeiten der Kinder zu reduzieren und Klassenwiederholungen zu vermeiden. In Kollaboration mit TRECC starten Sharon Wolf (University of Pennsylvania) und Guilherme Lichand (Universität Zürich) eine audiobasierte Kommunikationsintervention, um herauszufinden, wie und für wen die beiden Interventionsarten am effektivsten sind.  Die Forscher gehen davon aus, dass Merkmale der Eltern für die Wirksamkeit der Intervention hochrelevant sind: So wird vermutet, dass textbasierte Interventionen bei alphabetisierten, französischsprachigen Eltern eine grössere Wirkung zeigen, ebenso wie bei Eltern, die wenig Vertrauen in das Schulsystem haben, und bei jenen, die über eine bessere visuelle als akustische Wahrnehmung verfügen. Sprachnachrichten werden hingegen jene Eltern besser erreichen, die Analphabeten sind. Doch allein die Anwesenheit in der Schule bedeutet nicht automatisch, dass die Kinder etwas lernen. Zu verstehen, wie die Eltern – je nach den eigenen akademischen Fähigkeiten und Verhaltenskompetenzen – in ihre Kinder investieren und welchen Einfluss es auf diese Fähigkeiten hat, wenn die Anwesenheit in der Schule erhöht wird, ist wichtig und bisher noch wenig erforscht. Mit diesem Projekt möchten die Wissenschaftler bestimmen, welche Faktoren das Verhalten der Eltern beeinflussen, und herausfinden, welche Interventionsmethode besser geeignet ist, um das schulische Lernen ivorischer Kinder zu verbessern.

Sharon Wolf, Projektleiterin an der University of Pennsylvania erklärt: „Mit diesem Projekt testen wir in der Elfenbeinküste zum ersten Mal, ob Audionachrichten effektiver sind als Textnachrichten.”