Wie Erfahrungen unser
Gehirn verändern

Im Lauf unseres Lebens müssen wir immer wieder Neues lernen, um uns an Veränderungen in unserem Umfeld anzupassen. Die Veränderbarkeit unseres Gehirns als Reaktion auf diese Erfahrungen bezeichnet man als neuronale Plastizität.

Besonders stark reagiert unser Gehirn auf Erfahrungen in der Kindheit – zu dieser Zeit erleben wir die grössten neuronalen Veränderungen. Diese Formbarkeit des Gehirns im Kindesalter ist oftmals das Ziel pädagogischer Interventionen. So wissen wir, dass Kinder neue sensorische und motorische Fähigkeiten durch Üben erlernen können. Inwiefern dies auch für generelle kognitive Fähigkeiten, wie Konzentrationsfähigkeit, gilt, ist jedoch umstritten.

In Zusammenarbeit mit Jacobs Foundation Research Fellows Kate McLaughlin, Allyson Mackey und Silvia Bunge haben wir einen Artikel über menschliche Gehirnplastizität, zukünftige Forschungsperspektiven und mögliche Auswirkungen für das Lernen und die Entwicklung von Kindern veröffentlicht.

Anpassung und Widrigkeiten

Der Artikel beginnt mit einem Überblick über neuronale Plastizität und gibt Beispiele dafür, wie sich unser Gehirn durch Erfahrungen verändert, wie es sich an widrige Umstände anpasst oder durch gezieltes kognitives Training und Bildungserfahrungen geprägt wird.

Im Anschluss formulieren die Autorinnen vier zukünftige Forschungsrichtungen . Schwerpunktthemen bilden unter anderem individuelle Unterschiede und altersbedingte Veränderungen in Bezug auf Gehirnplastizität sowie die Vorhersagbarkeit der Reaktion von Kindern auf Interventionen.

Auf kinderpolitische Massnahmen und Programme anwenden

Abschliessend geht der Artikel auf mögliche Folgen ein, die sich aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen für die Entwicklung und das Lernen von Kindern ergeben. Die Verschiebung und Überwindung der Forschungsgrenzen der neuronalen Plastizität birgt grosses Potenzial für die Verbesserung des Lernens – bei der Anwendung von theoretischen Forschungsergebnissen in der Praxis ist jedoch Vorsicht geboten.

Während sich die Wissenschaft weiterhin mit den biologischen Vorgängen der neuronalen Plastizität befasst, gibt es einen Bereich, der von dem profitieren kann, was wir bereits wissen: Die Entwicklung von kinderpolitischen Massnahmen und Programmen. So gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass sich widrige Lebensumstände in der frühen Kindheit – und damit während einer besonders wichtigen Phase der Gehirnentwicklung – ein Leben lang negativ auf Gesundheit, Lernen und Verhalten auswirken.

Abschliessend stellt der Artikel vier wichtige Erkenntnisse aus der Erforschung der neuronalen Plastizität beim Menschen vor. Für weitere Informationen steht die Publikation (auf Englisch) auf unserer Website zum Download zur Verfügung.