Vernetzen für die Nachhaltigkeit

Im Rahmen des Programms «Bildungslandschaften Schweiz» kamen am 11. Juni rund 90 Vertreter der insgesamt 22 Bildungslandschaften im Stade de Suisse in Bern zusammen. Im Zentrum des Vernetzungstreffens stand das Thema Nachhaltigkeit, welches zunehmend eine grössere Bedeutung erfährt.

Muriel Langenberger, Leiterin Intervention Europa bei der Jacobs Foundation, eröffnete das Vernetzungstreffen und stellte dabei die neue Programmleiterin vor: Rita Schweizer leitet seit März 2015 das nationale Programm «Bildungslandschaften Schweiz» der Jacobs Foundation. Die neue Programmleiterin präsentierte sogleich die neu entwickelten Bildungslandschaften-Logos. Alle 22 lokalen Bildungslandschaften sind damit individuell erkennbar, aber in der gesamten Bildungslandschaften-Familie bilden sie eine Einheit.

Als erster Referent sprach Prof. Dr. Martin Hafen vom Institut für Sozialmanagement, Sozialpolitik und Prävention HSLU über das Thema Nachhaltigkeit in (Bildungslandschafts-) Projekten. Er definierte Nachhaltigkeit einerseits als ausgewogenes Verhältnis zwischen Verbrauch und Regeneration von Ressourcen, andererseits auch als Dauerhaftigkeit: «In unserem Schulsystem wird oft ein zu grosser Wert aufs Auswendiglernen und Wiedergeben gelegt, sodass das nachhaltige, erfahrungsbezogene Lernen zu kurz kommt. In den Bildungslandschaften wird genau hier angesetzt, indem unterschiedliche Lernwelten vernetzt werden und Lernerfahrungen im formalen, non-formalen und informellen als gleichberechtigt gefördert und wertgeschätzt werden.»

Prof. Dr. Martin Hafen betonte, dass Projekte per Definition auf eine begrenzte Zeitdauer angelegt sind und Netzwerke flüchtig sind. Damit Bildungslandschaften dauerhaft bestehen, muss die Nachhaltigkeit aus seiner Sicht von Anfang an eingeplant werden. Besonders wichtig sind dabei die umfassende Partizipation aller relevanten Partner (insbesondere von Entscheidungsträgern) sowie die Formalisierung der Strukturveränderungen und deren Einbettung ins Gemeinwesen.

Welche Wirkung haben Bildungslandschaften?

Prof. Dr. Stefan Huber und Dr. Pierre Tulowitzki des Instituts für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie der PH Zug untersuchen mit einer Begleitstudie die Wirkung des Programms «Bildungslandschaften Schweiz» auf das Bildungsangebot, auf die Zusammenarbeit der Bildungsakteure und letztlich auf die Kinder und Jugendlichen, die im Gebiet einer Bildungslandschaft aufwachsen. Dazu führen sie Interviews mit den Projektleitenden, befragen die Akteurinnen und Akteure einer Bildungslandschaft mittels Online-Umfragen und messen die Wirkung auf Kinder und Jugendliche mithilfe standardisierter Fragebögen, die von den betreuenden Fachpersonen, den Eltern und/oder den Kindern und Jugendlichen selber ausgefüllt werden.

Die ersten Zwischenresultate liegen seit Februar 2014 vor und sind unter folgendem Link abrufbar: http://bildungslandschaften.ch/node/202].
In der ersten Erhebungsphase wurde festgestellt, dass alle neun Projekte während des ersten Jahres der Programmlaufzeit erfolgreich und zu grosser Zufriedenheit der Befragten initiiert werden konnten.


Reger Austausch unter den Teilnehmern des Vernetzungstreffens in den neun Workshops.

Von Erfahrungen lernen

Einen besonderen Höhepunkt des Vernetzungstreffens bildeten die neun Workshops. In ihnen stellte jeweils ein Workshop-Leiter aus der Pilotphase seine «lessons learned» der vergangenen zweieinhalb Jahre den Vertretern der Bildungslandschaften vor, die für die 2.Phase ausgewählt wurden. Wichtige Fragen lauteten: «Was lief besonders gut?», «Wo traf man Herausforderungen an?», «Wie ging man damit um?», «Welche Überlegungen hat man zum Thema Nachhaltigkeit bereits angestellt?». Von den kurzen Inputs aus entwickelten sich in allen Gruppen lebhafte Diskussionen – Gedanken und Erfahrungen wurden intensiv ausgetauscht.

Kinder als Mitgestaltende

Zum Abschluss des Tages referierte Mandy Falkenreck vom Institut für Soziale Arbeit, FHS St. Gallen, über ihre Erfahrung aus dem sozialraumorientierten Ansatz des Projekts »Bildungsräume» der Fachhochschule St. Gallen und der Gebert Rüf Stiftung. Ihr wichtigstes Plädoyer ruft dazu auf, Kinder und Jugendliche nicht als «Werdende» sondern als »Seiende» zu verstehen, oder anders gesagt nicht als EmpfängerInnen von Bildungsangeboten sondern als Mitgestaltende. Sie ermuntert die Akteurinnen und Akteure der Bildungslandschaften, sich auf die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen und ihre Wahrnehmung vom Lebensraum einzulassen und ihnen die nötigen Freiräume zuzugestehen.

Weitere Informationen zum Programm Bildungslandschaften: www.bildungslandschaften.ch

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