Verbände protestieren gegen reduzierte Kita-Standards

Der Zürcher Kantonsrat will die Qualitätsstandards von Kindertagesstätten reduzieren. Die Verbände Kibesuisse und QualitKita sowie das Marie Meierhofer Institut fordern, dass die Bestimmungen flexibler werden aber auf pädagogischen Konzepten beruhen, welche die Bedürfnisse der Kinder ins Zentrum stellen. 

Das diesen Montag an den Kantonsrat überreichte Postulat mit dem irreführenden Titel «Krippen stärken statt schwächen» verfolgt das implizite Ziel, die bereits tiefen staatlichen Investitionen in die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung zu senken. Die Senkungen von Anforderungen im Bereich der Qualifikation des Personals und der Leitungen sowie des Betreuungsschlüssel und damit die Senkung der Investitionen sind vor dem Hintergrund der jüngsten Ergebnisse ein Hohn. Die am Freitag 13.09.2019 veröffentlichte Studie der Universität Zürich zeigt, dass familienergänzt betreute Kinder sich gleich gut entwickeln wie Kinder, die zu Hause betreut werden. Dies aber nur, sofern die Qualität der Betreuungsangebote gut ist, wie weitere Studien zeigen.

Bedeutung guter Qualität in Kindertagesstätten: Anforderungen an Qualifikation und Betreuungsschlüssel mitentscheidend

Unbestritten sind heute die grundlegende Bedeutung der ersten Lebensjahre für das weitere Leben sowie die wachsende Wichtigkeit von familienergänzender Betreuung in der Gesellschaft. Gut belegt ist zudem, dass nur qualitativ gute, am Wohl der Kinder ausgerichtete, familienergänzende Angebote den betreuten Kindern ermöglichen ihr Potenzial zu entfalten, wohingegen qualitativ schlechte Angebote insbesondere verletzlichen Kindern schaden. Die Aussage, dass der Betreuungsschlüssel unbedeutend ist für gute Qualität in der Betreuung (vgl. Postulat) ist schlicht falsch. Sowohl die Qualifikation der Betreuungspersonen als auch der Betreuungsschlüssel sind relevante Faktoren für eine gute Qualität der Betreuungsangebote.

Mit Blick auf die zunehmende Sensibilität für die Bedeutung der Frühen Kindheit und der entsprechenden Forschungstätigkeiten ist es entscheidend, dass auf neue Erkenntnisse rasch reagiert werden kann. Entsprechend ist von starren und einseitigen Regulationen abzusehen, welche Vorstellungen zu Raum- und Gruppengrössen zementieren und damit Innovation und Entwicklung hemmen. In dem Sinne begrüssen wir flexiblere – nicht tiefere! – Regulierungen in Bezug auf die Umsetzung der fachlich fundierten pädagogischen Konzepte, welche konsequent die Bedürfnisse von Säuglingen und jungen Kindern ins Zentrum stellen.

 Qualitätsinitiative für familienergänzende frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung im Kanton Zürich

Am 23. August 2019 wurde die «Qualitätsinitiative in der familienergänzenden frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung im Kanton Zürich» lanciert. Akteure, welche die familienergänzende Betreuung umsetzen und beeinflussen (Anbietende, Fachorganisationen, Verbände, Behörden, Politik), stehen gemeinsam für eine gute Qualität zum Wohl der Kinder ein. Die gemeinsame Grundlage ist die «Selbstverpflichtung zum Wohl von Kindern». Das Motto lautet: «Kinder entdecken die Welt, angespornt von ihrer Neugier, aufmerksam begleitet von uns». Die Unterzeichnenden verpflichten sich, verbindlich für qualitativ gute familienergänzende institutionelle Angebote der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung einzustehen und die dafür notwendigen Ressourcen bereitzustellen. Diese Selbstverpflichtung wurde bereits von über 100 Organisationen – darunter auch der Vorsteher des Sozialdepartements der Stadt Zürich, Raphael Golta – unterzeichnet.

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