Primarschüler erfahren körperliche Gewalt zu Hause

Die Auswertungen aus der achten Erhebungswelle des Zürcher Projekts, z-proso,  zeigen, dass auch in einer wohlhabenden Stadt wie Zürich mit einem hervorragenden Bildungs- und Gesundheitswesen sowie vielfältigen Präventionsangeboten nach wie vor viele Kinder und Jugendliche mit Gewalt konfrontiert sind.

Zu Beginn der Primarschule erfahren rund die Hälfte der Kinder zu Hause mindestens gelegentlich körperliche Züchtigung durch die Eltern wie Schläge auf den Hintern oder Ohrfeigen, ein Anteil der mit zunehmendem Alter zwar deutlich zurückgeht, aber im Alter von 15 immer noch bei rund 20% der Jugendlichen liegt. Fünf bis acht Prozent der Kinder und Jugendlichen werden mindestens gelegentlich mit einem Gegenstand geschlagen, ohne dass hier ein Alterstrend zu erkennen wäre.

Aktive Gewaltausübung

Auch bei aktiv ausgeübter Gewalt zeigen die Daten mit zunehmendem Alter eine Abnahme: Die Normalentwicklung ist durch eine steigende Kontrolle über physische Aggression geprägt. Zu Beginn der Primarschule beobachten Lehrpersonen bei rund einem Drittel der Kinder, dass sie andere physisch angreifen, und dieser Anteil sinkt mit steigendem Alter kontinuierlich auf rund 12%.

Allerdings könnte die gemäss den eigenen Angaben der Kinder beobachtbare Zunahme zwischen dem Alter von 9 und 11 Jahren bedeuten, dass gewaltsame Konflikte immer weniger unter den Augen des Lehrpersonals stattfinden. Ab dem Alter von 11 Jahren wurden die Teilnehmenden auch nach Körperverletzungen und ab 13 Jahren nach dem Tragen von Waffen und Raub gefragt. Die Analysen zeigen, dass im Alter von 11 bis 17 Jahren etwa 10% der Jugendlichen als Täter in eine Körperverletzung involviert waren. Männliche Jugendliche tragen etwa fünfmal häufiger Waffen als weibliche Jugendliche und sind doppelt so häufig in Körperverletzungen involviert.

Das Zürcher Projekt zur sozialen Entwicklung von der Kindheit ins Erwachsenenalter, z-proso, ist eine weltweit bedeutende Langzeitstudie, welche die Entwicklung von 1’675 jungen Menschen seit ihrem Eintritt in die erste Klasse von Primarschulen der Stadt Zürich im Herbst 2004 untersucht. Im September 2018 wurde die achte Erhebungswelle abgeschlossen, und aus den damals sieben Jahre alten Kindern sind inzwischen junge Erwachsene geworden.

Dank der erhobenen Daten gibt die Studie einen fundierten Einblick in die Entwicklung junger Menschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Frage nach den Ursachen und Folgen von Aggression und Opfererfahrungen stand zu Beginn der Studie im Mittelpunkt und ist ein wichtiger Schwerpunkt der Forschung geblieben. Andere Fragen sind aber hinzugekommen, etwa nach der Wahrnehmung von Recht und Polizei, den Ursachen von Substanzkonsum oder der Dynamik von psychischer Gesundheit.

Die Studie ist am Jacobs Center for Productive Youth Development der Universität Zürich angesiedelt und wird von der Jacobs Foundation und vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt.