Das Potenzial der Jugend in frühkindlichen Bildungsprogrammen

Ein Gewinn für Kinder, junge Erwachsene und nachhaltige Entwicklung in Pakistan. Angelica Ponguta, Jacobs Research Fellow, stellt das LEAPS Programm vor.

Im Jahr 2014 bewies eine randomisierte kontrollierte Studie in Pakistan als eine der ersten und wenigen gross angelegten Untersuchungen die Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit eines Ernährungs- und frühkindlichen Stimulationsprogramms in den ersten 1000 Lebenstagen in einem einkommensschwachen Land. Wie in vielen Ländern weltweit beobachteten auch die Leiter dieser Studie, dass die zunächst rasanten Lernzuwächse nur allzu schnell zunichte gemacht werden konnten. Zum Teil hing das mit einem mangelnden Zugang zu hochwertigen Programmen der frühkindlichen Entwicklung (Early Childhood Development / ECD) zusammen, die Kindern und deren Familien in entscheidenden Entwicklungsphasen kontinuierliche frühkindliche Bildungsmöglichkeiten bieten. Ausserdem aber stellte man im Rahmen einer detaillierten ethnographischen Untersuchung fest, dass es in den Gemeinden einen signifikanten Anteil junger Frauen mit begrenzten Arbeits-, Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten gab. Aufgrund dieser Ergebnisse entschloss man sich, einen generationenübergreifenden Ansatz zu entwickeln, der Gesundheits- und Entwicklungsaspekte in Programmen der frühkindlichen und Jugendentwicklung fördert.

In einer ersten Phase trafen sich unsere Teams der Universitäten Aga Khan, Harvard und Yale auf Schloss Marbach, um dort mit Unterstützung der Jacobs Foundation eine Literaturanalyse zu ECD-Programmen mit Jugendbeteiligung durchzuführen. Weltweit fanden wir nur einige wenige, gut dokumentierte generationenübergreifende Modelle. Für uns ein Hinweis darauf, dass wir uns auf weitgehend unerschlossenem Gebiet befanden und dabei waren, eine grossartige Chance zu nutzen, die im globalen Kontext bisher unerkannt geblieben war.

Die Einführung des Programms Youth Leaders for Early Childhood Assuring Children are Prepared for School (LEAPS)

Gemeinsam mit Grand Challenges Canada, UNICEF und der pakistanischen National Commission for Human Development riefen wir LEAPS ins Leben. Das Programm basiert auf einem generationenübergreifenden Modell, das sowohl kleine Kinder (3-6 Jahre) als auch junge Frauen (18-24 Jahre) in ihrem Lernen und ihrer Entwicklung unterstützen soll. Das Programm beinhaltet ECD-Training für ausgewählte junge Erwachsene sowie Strategien zur Einbeziehung von Familien und Gemeinden. So soll eine Führungsfunktion junger Menschen und deren Akzeptanz bei allen Beteiligten gefördert werden. LEAPS kann an unterschiedliche lokale Begebenheiten angepasst werden und verfolgt, sowohl bei der frühkindlichen als auch bei der Jugendentwicklung, einen holistischen pädagogischen Ansatz. Qualität spielt dabei eine wichtige Rolle, so gibt es für die jungen Erwachsenen intensive Mentoringprogramme und Austauschmöglichkeiten mit Peers.

Wirkung und Potenzial von LEAPS: Win-win-win für Kinder, junge Erwachsene und nachhaltige Entwicklung

Eine randomisierte kontrollierte Studie zur Wirkung von LEAPS zeigte, dass Kinder, die das Programm komplett durchlaufen hatten, im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant bessere Entwicklungsergebnisse vorwiesen. Ausserdem ergab die Studie, dass junge Erwachsene, die an LEAPS teilgenommen hatten, ihre Fachkompetenz im Bereich frühkindliche Entwicklung im Lauf der Zeit signifikant verbessern konnten. Die Ergebnisse dieser Pilotstudie sind wichtig, da sie eindeutig darauf schliessen lassen, dass das Modell bei angemessener Umsetzung Wirkung zeigt.

In Pakistan wird LEAPS derzeit ausgeweitet. Dabei wiederholen wir die Wirkungsevaluierung und untersuchen, ob das System für eine nachhaltige Umsetzung geeignet ist. Gleichzeitig prüfen wir die Adaptierbarkeit des Modells für Kolumbien, wo ein Netzwerk aus Universitäten und Repräsentanten der Regionalregierung eine Machbarkeitsstudie vornimmt, um die Kontextualisierung, Durchführbarkeit und politische Verankerung von LEAPS in den vorgesehenen Kommunen festzustellen.

Generationenübergreifende Modelle bieten die einmalige Gelegenheit, sich entscheidende Phasen der menschlichen Entwicklung zunutze zu machen und dabei zu folgenden Zielen für nachhaltige Entwicklung beizutragen: Ziel 4 (Hochwertige Bildung), Ziel 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum) und Ziel 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen). Durch die Einbeziehung junger Menschen in Programme der frühkindlichen Entwicklung kann Arbeitskräftemangel in diesem Bereich ausgeglichen werden, während gleichzeitig das bisher ungenutzte Potenzial der Jugend für Entwicklung, Führung und Arbeitsmarkt ausgeschöpft wird. LEAPS betrachtet die menschliche Entwicklung aus der Lebensverlaufsperspektive. Durch die Förderung des Wohlbefindens junger Erwachsener – der zukünftigen Eltern – können systemische Ungleichheit und globale Herausforderungen im Bereich der nachhaltigen Entwicklung erfolgreich gemeistert werden – davon sind wir überzeugt.

Angelica Ponguta ist eine Jacobs Research Fellow. Sie ist Associate Research Scientist bei dem Yale Child Study Center. Angelica hat unter anderem Projekte im Bereich der frühen Kindheit in über 10 Ländern in Afrika, Südostasien, Osteuropa, Lateinamerika und dem Nahen Osten geleitet.

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