Politik der frühen Kindheit

Der Ausbau von Betreuungsangeboten für Kleinkinder lohnt sich für die Schweizer Volkswirtschaft

Die ersten Lebensjahre eines Kindes sind entscheidend für dessen weitere Entwicklung. Dasselbe gilt für die Rahmenbedingungen, die diesen Lebensabschnitt begleiten sollten.

Wenn jedes Kind schon vor dem Schuleintritt in seiner Entwicklung unterstützt wird, unabhängig von seiner familiären Situation und seinem Hintergrund, dann sind die langfristigen Vorteile gegeben: für das Kind in Bezug auf Bildung und berufliche Entwicklung, für die Eltern in Bezug auf den Zugang zum Arbeitsmarkt und das Lohneinkommen und schliesslich auch für den Staat selbst.

Im Auftrag der Jacobs Foundation hat BAK Economics die volkswirtschaftlichen Auswirkungen eines qualitativen Ausbaus von Kindertagesstätten (Kitas) und Tagesfamilien sowie von begleitenden Förderprogrammen für Kinder in der Schweiz untersucht. Die BAK-Studie kommt zum Schluss, dass sich zielgerichtete Investitionen in Förderangebote für Kinder zwischen 0 und 4 Jahren für den Staat bereits nach gut zehn Jahren lohnen. Diese Angebote leisten besonders bei Kindern aus einem bildungsfernen oder einem sozial benachteiligten Umfeld oder bei Kindern mit Migrationshintergrund einen Beitrag zur Chancengerechtigkeit.
Langfristig, wenn alle Effekte wirksam sind und ein neues Gleichgewicht in der Volkswirtschaft erreicht wird, ist das Schweizer Bruttoinlandsprodukt jährlich um rund 0,5 Prozent höher als ohne den Ausbau. Dies macht in heutigen Werten ausgedrückt rund 3,4 Milliarden Franken pro Jahr aus.
Begleitend zur BAK-Studie hat die Jacobs Foundation ein Whitepaper veröffentlicht. 

Vier Effekte im Vordergrund
Insgesamt unterscheiden die BAK-Ökonomen vier volkswirtschaftlich positive Effekte, die zusätzliche Investitionen und ein Ausbau von Angeboten im Frühbereich mit sich bringen:

  • Die zeitliche Entlastung der Eltern bei der Betreuung der Kinder kann in die Aufnahme oder Erweiterung einer Erwerbstätigkeit fliessen. Hiervon gehen wichtige volkswirtschaftliche Effekte auf Ebene der Eltern aus. Die Folgerung: Die Entlastung der Eltern von Betreuungsaufgaben steigert Produktivität und Wachstum der Volkswirtschaft.
  • Eltern und insbesondere Mütter, die früher oder in grösserem Umfang erwerbstätig sein können, sammeln zusätzliche Berufserfahrung und gewinnen berufliche Kompetenzen. Dies stärkt ihre Stellung am Arbeitsmarkt und ist lohnrelevant. Während kurzfristig vor allem das Arbeitsangebot von Eltern mit Kindern steigt, verbessert sich längerfristig auch deren Arbeitsproduktivität. Mit der Produktivitätssteigerung erhöht sich auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Die Folgerung: Ausgebaute Erwerbstätigkeit der Eltern erhöht nicht nur deren Einkommen und somit ihre Kaufkraft, sondern auch das Humankapital.
  • Kinder können ihre Kompetenzen und Fähigkeiten früh auf- und ausbauen. Volkswirtschaftlich relevant wird dies, wenn die Kinder später mit erhöhtem individuellen Kompetenzniveau ins Erwerbsleben eintreten. Mehr Bildung bedeutet ein höheres Einkommenspotential (Bildungsrendite). Dies stärkt das Wachstum der Volkswirtschaft und letztlich den Wohlstand pro Kopf. Die Folgerung: Förderung der Kompetenzen der Kinder zahlt sich in Form einer Bildungsrendite aus.
  • Absolvieren Kinder eine höhere Ausbildung, wirkt sich das zusätzlich auch positiv auf deren Gesundheitsverhalten und später auf deren Gesundheitskosten aus. Höhere Bildungsabschlüsse tragen zudem dazu bei, dass im Erwachsenenalter seltener Sozialhilfe bezogen werden muss. Das alles ist für die Volkswirtschaft positiv. Die Folgerung: Kompetenzerwerb der Kinder senkt deren Gesundheits- und Sozialkosten.

Die BAK-Studie zum volkswirtschaftlichen Nutzen von Investitionen in die frühe Kindheit ist das finale Projekt der Forschungsagenda der Jacobs Foundation. Sie ist ein wesentliches Element unserer Strategie 2016 bis 2020 zur Verbesserung der Rahmenbedingungen im Bereich der frühen Kindheit in der Schweiz.

Weiteren Studien der Forschungsagenda frühe Kindheit:
Whitepaper “Engagement in der frühen Kindheit: Fokus Kind” (2020)
Whitepaper zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Zwischen Wunsch und Realität (2018)

Wir verwenden Cookies, um einen guten Webservice zu ermöglichen. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

OK