Mentoring verbessert Arbeitsmarktchancen benachteiligter Jugendlicher

Studentische Unterstützer*innen (Mentoren) verbessern bei Acht- und Neuntklässler*innen aus stark benachteiligten Verhältnissen ein Jahr nach Programmstart nachweislich die Schulnote in Mathematik, die Geduld und die Sozialkompetenzen sowie die Arbeitsmarktorientierung der Schüler*innen. „Stark benachteiligte Jugendliche bekommen oft wenig Hilfe von ihren Eltern. Das Programm schliesst die Lücke in ihren Arbeitsmarktaussichten im Vergleich zu Jugendlichen mit günstigerem Hintergrund“, sagt Ludger Wößmann, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik. Ein wichtiger Aspekt dabei sei, dass die Jugendlichen ihre Mentoren als Ansprechpartner ansähen, um über ihre Zukunft zu sprechen. 

Das ifo Institut untersuchte in einem mehrjährigen Projekt die Wirksamkeit eines grossen deutschen Mentoring-Programms „Rock your life!“ An der Studie nahmen 308 Jugendliche aus 19 Schulen teil. Sie wurden in eine Teilnehmergruppe und eine Vergleichsgruppe geteilt, um die Unterschiede herauszuarbeiten. Der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund unter den Teilnehmer*innen fiel mit 58 Prozent mehr als doppelt so hoch aus wie der deutsche Durchschnitt (28 Prozent). Jeder vierte Jugendliche in der Stichprobe lebte in einem alleinerziehenden Haushalt, verglichen mit 14 Prozent im deutschen Durchschnitt.

„Rock your life!“ wurde 2008 von einer Gruppe von Universitätsstudent*innen ins Leben gerufen und wird mittlerweile in 42 Städten in ganz Deutschland angeboten. Seit der Gründung wurden mehr als 7.000 Schüler*innen bis zu zwei Jahre lang gefördert. Das Programm richtet sich an Jugendliche in Hauptschulen und vergleichbaren Schulformen in benachteiligten Stadtvierteln und stellt ihnen Student*innen als ehrenamtliche Paten zur Seite. Ziel ist ein erfolgreicher Übergang von der Sekundarstufe I in eine berufliche Ausbildung oder in die schulische Oberstufe. Das Projekt wurde unter anderem von der Jacobs Foundation und der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung finanziell unterstützt. „Das Projekt hat Vorzeigecharakter. Bildungsprogramme werden in Deutschland noch immer viel zu selten rigoros evaluiert. Wir brauchen viel mehr belastbare Daten, um belegen zu können, welche Massnahmen tatsächlich wirken”, sagt Simon Sommer, Co-CEO der Jacobs Foundation.

Zur Studie.

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