Luxemburgs erste Bildungslandschaft

Inspiriert vom Schweizer Beispiel der Bildungslandschaften, baut die UP-Stiftung die erste Bildungslandschaft in einer Stadt im südlichen Luxemburg auf. Die Jacobs Foundation hat mit der Direktorin Liz Kremer-Rauchs über das Projekt KANNER_UP und die 2018 gegründete Stiftung gesprochen.

Die UP_FOUNDATION ist noch eine ganz junge Stiftung. Beschreiben Sie uns bitte kurz Ihre Arbeit.

Unser Motto lautet auf Luxemburgisch: „Bildung brauch d’Gesellschaft“. Wir sehen uns als eine Bürger-Plattform für offene Diskussionen rund um das Thema Bildung, ein Ort zum Kennenlernen, zum Austausch und zum Umsetzen von Ideen.

Darüber hinaus arbeiten wir in vier klar definierten Bereichen: unserem NET, LAB, FORUM und AWARD. Im NET vernetzen wir schulische und außerschulische Bildungsakteure, im LAB fördern wir innovative Konzepte rund um Bildungsfragen, und im FORUM veranstalten wir Konferenzen für eine breite Öffentlichkeit. Mit dem AWARD wertschätzen wir herausragende Initiativen aus der Mitte der Gesellschaft.

Mit unserem ersten großen Projekt KANNER_UP, dem Aufbau einer Bildungslandschaft, decken wir drei der Tätigkeitsbereiche ab: NET, LAB und FORUM. Bildungslandschaften sind in Luxemburg noch ein Novum. Also sind wir seit Oktober 2018 immer wieder ins kalte Wasser gesprungen und freuen uns umso mehr über den geglückten Start.

Warum entsteht die erste Bildungslandschaft im Süden Luxemburgs?

Esch-sur-Alzette, die so genannte Minette-Metropole, ist nach harten Jahren wegen der Stahlkrise im letzten Jahrhundert auf bestem Wege, wieder eine Art brodelnder kreativer Kessel zu werden. Die Universität Luxemburg ist dort angesiedelt, man spürt eine Aufbruchsstimmung. Dieses Momentum wollen wir für mehr Chancengerechtigkeit nutzen. Mit KANNER_UP vernetzen wir bis Ende des Jahres mehr als 40 außerschulische Partner in 250 Ateliers für rund 2800 Kinder. Im LAB planen wir fünf neue Projekte, und das erste FORUM wird im Frühjahr 2020 stattfinden.

„Bildung brauch d’Gesellschaft“ ist das Motto der Luxemburgische UP Foundation.

Was hat Sie im Mai auf der 4. Fachtagung der schweizerischen Bildungslandschaften am meisten inspiriert?

Am meisten beeindruckt hat uns, dass von den 22 erfolgreichen Bildungslandschaften in der Schweiz keine ist wie die andere. Wir haben uns auf dem „Markplatz“, den Ständen der einzelnen Bildungslandschaften, mit vielen Beteiligten unterhalten, mit Streetworkern, Lehrern, Verwaltungsangestellten, Politikern – und alle haben uns begeistert von ihren ganz individuellen Erfahrungen berichtet. Inspirierend war, dass es kein „Schema F“ gibt, wie eine Bildungslandschaft gelingt. Es braucht ganz offensichtlich vor allem den Willen und den Mut zur Veränderung.

Worin gleichen sich die Schweiz und Luxemburg beim Thema Bildungslandschaften?

Mehrsprachigkeit und die daraus resultierenden Herausforderungen, um neue Lösungen für mehr Chancengerechtigkeit zu finden, ist sicherlich ein Thema, das beide Länder betrifft. Die Anwendung des erweiterten Bildungsbegriffs, der die formale (schulische), non-formale (außerschulische) und informelle (Eltern und Familie) Bildung berücksichtigt, ist da unserer Meinung nach gar nicht mehr wegzudenken. Und vielleicht haben kleinere Länder kürzere Wege, wenn es darum geht, neue Konzepte anzustoßen. Wir arbeiten jedenfalls sehr eng mit der Stadt Esch zusammen, und nach allem, was wir auf der Fachtagung gehört haben, war und ist das auch der Schlüssel zum Erfolg vieler Bildungslandschaften in der Schweiz.

Was funktioniert aktuell schon gut in Luxemburg?

Wir haben innerhalb weniger Monate ein Netzwerk aus außerschulischen Akteuren aufgebaut, unser UP_NET. Vernetzen ist wirklich eine unserer Kernkompetenzen. Wir haben in Esch zu mehreren „Table Ronde“ eingeladen – der erste fand auf dem Escher Marktplatz vor dem Rathaus statt – und einfach mal geschaut: Wer kommt? Wer hat Lust, sich zu engagieren? Daraus ist unser Netzwerk mit zurzeit über 40 Akteuren entstanden. Wir sind Anfang Oktober ins 3. Trimester gestartet und erweitern ab 2020 unsere Zielgruppe auf ältere Schüler. Die Anfragen, Partner im UP_NET zu werden, lassen nicht nach, und darüber sind wir sehr glücklich.

Liz Kremer-Rauchs war in Luxemburg erst Lehrerin im Lycée Aline Mayrisch, wechselte dann ins Bildungsministerium, unter anderem als Leiterin der Abteilung für Innovationen im SCRIPT („Service de Coordination de la Recherche et de l‘Innovation pédagogiques et technologiques“) und Mitglied der Abteilung „Coordination des Politiques Éducatives“.

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