Kreativität und Experimentierfreude nötig

Viele Non-Profit-Organisationen tun sich schwer, die nötigen Gelder einzutreiben. Fördermittel und Grossspenden reichen oft nicht aus, um alle Kosten zu decken. Daher entwickeln immer mehr Organisationen innovative Geschäftsmodelle, die For-Profit und Non-Profit kombinieren, um dieses Defizit auszugleichen.

In Teilen des Sozialbereichs sind hybride Geschäftsmodelle schon lange die Norm. Denken Sie an amerikanische Krankenhäuser, die Zahlungen von Versicherungsgesellschaften erhalten und gleichzeitig Grossspenden entgegennehmen, um die Lücken zu füllen. Oder an Universitäten, die Gebühren verlangen und gleichzeitig Spenden sammeln, um finanziell besser aufgestellt zu sein. In beiden Fällen ist die Leistung für manche Kunden kostenpflichtig, wodurch die Organisation in der Lage ist, auch jenen zu helfen, die für Gesundheitsfürsorge oder Bildung nicht bezahlen können, jedoch ebenso ein Recht darauf haben.

Bei kleineren Non-Profit-Organisationen im Sozialbereich ist dieses Modell weniger verbreitet, obwohl viele von ihnen von einer diversifizierten Unternehmensstruktur profitieren würden. Wer ein marktfähiges Produkt oder einen Service anbietet, sorgt oft für bessere Planbarkeit und mehr Nachhaltigkeit in Organisationen, die sich sonst auf wenige grosse Förderbeträge oder ein paar freigebige Grossspender verlassen müssen. Ein For-Profit-Bereich kann ausserdem als Finanzspritze dienen, um Programme zu erweitern oder neue Non-Profit-Initiativen zu starten. Wenn Sie im Non-Profit-Bereich arbeiten, sollten Sie daher die Entwicklung eines For-Profit-Segments in Erwägung ziehen.

Wie Sie für Ihre Non-Profit-Organisation ein hybrides Geschäftsmodell entwickeln

Um innerhalb Ihrer Non-Profit-Organisation ein erfolgreiches For-Profit-Unternehmen aufzubauen, müssen Sie etwas, das Sie bereits gut können – oder ein Asset, das Sie bereits besitzen – in ein Produkt oder einen Service verwandeln, für das bzw. den andere bereit sind zu zahlen.

Überlegen Sie, ob ein neues Kundensegment bereit wäre, für eine Leistung zu bezahlen, die Sie bereits kostenlos anbieten.

  • Beispiel: Wenn Sie Überlebenden traumatischer Erlebnisse kostenlose Therapiestunden anbieten, könnten Sie anderen Kunden diesen Service vielleicht zu gestaffelten Tarifen zur Verfügung stellen?
  • Beispiel: Wenn Sie ein Bildungsprogramm leiten, könnten Sie vielleicht Lehrplanlizenzen an andere Organisationen verkaufen oder ein For-Profit-Lernprogramm für Familien starten, die sich die Gebühren leisten können?Prüfen Sie, ob Sie über unausgelastete Assets verfügen, die Sie geschäftlich nutzen könnten.
  • Beispiel: Wenn ein Teil Ihrer Einrichtungen während der Woche oder am Wochenende nicht genutzt werden, könnten Sie diese vielleicht als Co-Working-Spaces oder für Veranstaltungen vermieten? Besonders profitabel ist dies für Organisationen im Stadtzentrum oder für solche mit besonders begehrten Grundstücken, wie Bauernhöfen oder Gärten.

Prüfen Sie, ob Sie das Ergebnis Ihrer sozialen Dienstleistung an andere verkaufen könnten.

  • Beispiel: Wenn Sie ein Ausbildungsprogramm für Restaurantangestellte leiten, könnten Sie vielleicht die von Ihren Teilnehmern gebackenen Lebensmittel auf dem Bauernmarkt vor Ort verkaufen, um damit Ihre Kosten teilweise zu decken?

Die Übergänge zwischen Wirtschaftsunternehmen und Sozialbereich sind fliessend. Immer mehr For-Profit-Organisationen versuchen, sich durch die Integration einer gesellschaftlichen „Mission“ von anderen abzuheben. Beispiele hierfür sind Buy-One-Give-One-Unternehmen wie TOMS Shoes oder der Brillenhersteller Warby Parker. Andere, wie Product Red, spenden einen Teil ihres Gewinns an gemeinnützige Organisationen. Wieder andere garantieren ethische Standards bei der Beschaffung, wie der Juwelier Brilliant Earth und die vielen Fairtrade-Kaffeemarken. Diese Firmen fallen auf und können Premiumpreise verlangen, da immer mehr Menschen gewillt und fähig sind, Produkten mit starkem gesellschaftlichen Anspruch Vorrang zu geben.

Non-Profit-Organisationen befinden sich in einer guten Position, um von den sich verändernden Kundenerwartungen zu profitieren. Mit ein wenig Kreativität und Experimentierwillen können sich Non-Profits diese neuen Trends zunutze machen, um sich finanziell solider aufzustellen und somit jenen besser zu helfen, die sie am meisten brauchen.

Elizabeth Lawton Kuriakose arbeitet an der Schnittstelle von Forschung und Gemeinnützigkeit. Vor ihrer Teilnahme am MBA-Programm der Haas School of Business der University of California war Elizabeth stellvertretender Direktor an der Lucile Packard Foundation for Children’s Health, einer Stiftung für Kindergesundheit. In ihren zwei Jahren bei der Packard Foundation baute sie eine rege Spendergemeinschaft auf, die sich für die Gesundheit von Kindern engagierte. Es war unter anderem Elizabeths Einsatz zu verdanken, dass 130 Millionen USD Spendengelder in Form von privaten Schenkungen und Venture Philanthropie erzielt wurden. Zuvor war sie als Forschungsassistentin am Pew Research Center in Washington tätig und dort auf Recht, Politik und Ethik spezialisiert. Elizabeth hat einen Bachelor-Abschluss in Internationaler Politik der Georgetown University und einen Master der University of Notre Dame.