Kinder können selber Schlafexperten sein

Wer gut schläft, lernt besser. Deswegen hat Kerstin Hödlmoser, ehemalige Jacobs Young Scholar, das Buch “Ilvy schläft gut. Schlafen lernen mit System” mitverfasst. Es richtet sich an Kinder im Grundschulalter, die Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen haben. Die Jacobs Foundation hat mit Kerstin Hödlmoser über ihr Buch und ihr Forschungsthema „Schlaf“ gesprochen.

Warum ist Schlaf so wichtig für die Kindesentwicklung?
Wer gut schläft, lernt besser, das haben unsere Untersuchungen immer wieder bestätigt. Das, was wir tagsüber lernen, muss im Schlaf gefestigt werden. Schlaf ist für die Gedächtniskonsolidierung erforderlich, also dass Gelerntes vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis übertragen wird. Zudem ist ein gesunder Schlaf auch wichtig für die psychische und physische Erholung, für das Wachstum und für das Immunsystem.

Das Konzept Ihres Buches ist speziell. Sie wollen Kinder zu Experten für sich selbst machen. Warum kein traditioneller Elternratgeber?
Das Buch ist ein Teil der SOWAS!-Reihe, die Kindern wissenschaftlich begründete und gleichzeitig alterspassende Informationen bietet, damit sie eigene Kompetenzen entwickeln können. Der erste Teil des Buches ist die Geschichte der Grundschülerin Ilvy. Bei ihr klappt es mit dem Ein- und Durchschlafen trotz Kuscheltier manchmal nicht, etwa weil sie nicht ins Bett gehen mag, weil ein aufregender Ausflug oder eine Schularbeit bevorsteht oder weil sie schlecht träumt. Situationen, in denen sich die von Schlafproblemen geplagten jungen Leserinnen und Leser leicht wiederfinden können. Auch wie damit in der Familie umgegangen wird, ist an verständlichen Beispielen erklärt: von einem regelmäßigen Einschlafritual (z.B. Hörspiel, Gutenachtgeschichte) über eine beruhigende „Tierpolonaise“ (Rückenmassage) bis zu konsequenten elterlichen Regeln.

Das Buch beinhaltet auch «Mitmach-Seiten». Helfen diese Seiten beim Einschlafen?
Genau, der zweite Teil ist eine Mischung aus Ausmalbuch und Fragebogen. Auf diesen „Mitmach-Seiten“ sollen die kleinen Leserinnen und Leser ihr eigenes Schlafverhalten bewusst kennenlernen, um es durch kreative und sinnvolle Lösungen verbessern zu können. Helfen sollen dabei Fragen wie: Bist du ein früher Vogel oder eine Nachteule? Was kann dir beim Einschlafen helfen? Was hast du mit Ilvy gemeinsam? Was machst du in der letzten Stunde vor dem Einschlafen? Den dritten Teil des Buches bildet ein Schlafprotokoll zum Ausfüllen über einen Zeitraum von drei Wochen. Die Kinder sollen so leicht herausfinden können, wie viel Schlaf sie brauchen, um tagsüber fit und ausgeschlafen zu sein.

Der Einfluss von Technologien, und besonders Smartphones, auf Kinder ist ein heiss debattiertes Thema. Welche Auswirkungen auf den Schlaf haben sie?
Die Themen unseres Kinderbuches passen zu unserem aktuellen Projekt „Tackling the Paradox of Sleep and Technology Through Near Peer Relationships“. Ziel des Projekts ist es, dass Kinder verstehen, wie sich die Nutzung des Smartphones oder des Tablets vor dem Zubettgehen auf ihren Schlaf auswirkt, und dass sie lernen, besser und eigenverantwortlich mit ihrem Smartphone umzugehen. Etliche Untersuchungen zeigen, dass Smartphones wahre Schlafräuber sind, nicht nur weil sie vor dem Einschlafen oft noch emotional aufregen, sondern auch wegen dem kurzwelligen „Blaulicht“ dieser Geräte. Dieses künstliche Licht unterdrückt das Schlafhormon Melatonin. In einer aktuellen Studie untersuchen wir außerdem mittels elektrophysiologischer Gehirnstrommessungen, wie sich bei Kindern die Handynutzung in den letzten zwei Stunden vor dem Zubettgehen auf ihren Schlaf, ihr Gedächtnis und insbesondere auch auf ihre Emotionsregulation auswirkt.

Wie streng sind Sie zu sich selbst, wenn es um Einschlafrituale geht?
Ich versuche meistens konsequent zu sein und regelmäßige Bettzeiten einzuhalten. Da mein Partner eine Nachteule ist, fällt mir das oft gar nicht so leicht. Meinen Laptop und mein Smartphone leg ich leider auch fast täglich (zumindest an Arbeitstagen) erst kurz vorm Zubettgehen beiseite. Aber noch schlafe ich sehr gut, also ist mein Leidensdruck offensichtlich zu gering, um wirklich streng mit mir selbst zu sein.

Kerstin Hödlmoser, Schlafforscherin und Psychologin an der Universität Salzburg, erforscht seit über 10 Jahren im Labor für Schlaf-, Kognition- und Bewusstseinsforschung die Zusammenhänge zwischen Schlaf und Gedächtnis bei Kindern und Jugendlichen. Sie ist auch vormalige Jacobs Young Scholar. Jetzt hat Kerstin zusammen mit der Psychotherapeutin Sigrun Eder das Bilder-Erzählbuch „Ilvy schläft gut. Schlafen lernen mit System“ (Verlag editionriedenburg) entwickelt. Es richtet sich an Kinder im Grundschulalter, die Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen haben.

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