Ivorer auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten

Als Mitarbeiter von TRECC (Transforming Education in Cocoa Communities) besuche ich normalerweise ländliche Gegenden der Elfenbeinküste, um die Entwicklung unserer Bildungsprojekte zu beobachten. Letzten Monat allerdings reiste ich als Leiter einer Delegation des ivorischen Bildungsministeriums in den indischen Bundesstaat Andhra Pradesh, wo die NGO River-Tide seit mehr als 30 Jahren innovative Schulprogramme umsetzt – eine wahre Horizonterweiterung! Ich konnte nicht umhin, mein eigenes kleines Land während der Reise immer wieder mit Indien zu vergleichen, und kam zu dem Schluss, dass wir von diesem Land einiges lernen können.

Obwohl in der Elfenbeinküste Schulpflicht besteht, sieht sich der Bildungsbereich mit vielen Herausforderungen konfrontiert, zum Beispiel:

  • Fehlende Infrastruktur und Unterrichtsmaterialien
  • Lehrermangel und Fehlzeiten
  • Unterrichtsmethoden, die nicht unbedingt den Bedürfnissen der Schüler entsprechen
  • Hohe Anzahl an Schulabbrechern
  • Diskrepanz zwischen Ausbildungsangebot und Bedarf der Wirtschaft

Indien ist etwa zehnmal so gross wie die Elfenbeinküste, hat aber 57-mal so viele Einwohner. Wie ist ein so grosses und bevölkerungsreiches Land in der Lage, seinen Kindern hochqualitative Bildungsmöglichkeiten zu bieten? Und gibt es dort Lösungen, die die Elfenbeinküste auf die eigene Situation anwenden könnte?

Ich hatte Gelegenheit, mir die Arbeit der NGO River-Tide näher anzusehen, die für die Grundschulbildung eine mehrstufige Methodik vorschlägt. Das Modell von River-Tide kann auch an Schulen mit nur zwei Klassenräumen umgesetzt werden, und für die erfolgreiche Durchführung des Programms, an dem bis zu 150 Kinder teilnehmen können, werden nur zwei Lehrer benötigt. Damit ist eine Anwendung auch in Situationen mit mangelhafter Infrastruktur und knappem Personal möglich.

Lehrplan und Methodik werden flexibel gehandhabt. Die unmittelbare Schulumgebung beeinflusst in hohem Masse, was die Kinder lernen, der Lehrplan wird jeweils auf die lokalen Bedürfnisse angepasst. Zur Unterrichtsmethode von River-Tide gehören viele Spiele, die den Schülern Spass am Lernen vermitteln. Ganz neu war für mich, dass sich der Lehrer zu den Kindern auf den Boden setzt. Das muss deren Selbstbewusstsein und ihre Bereitschaft zu aktiver Beteiligung enorm stärken.

Um das Bildungsangebot und die Lernerfahrung zu verbessern, werden neue Technologien eingesetzt. Diese bieten nicht nur eine andere Art der Hilfestellung und neue Lernmöglichkeiten für die Kinder, sondern werden auch verwendet, um die Anwesenheit der Lehrer zu kontrollieren, sie bei der zeitlich korrekten Umsetzung des Lehrplans zu unterstützen und ihre pädagogische Kompetenz zu stärken. Die Lernergebnisse können mithilfe dieser Technologien ebenfalls ganz einfach überprüft werden.

TRECC und River-Tide wollen künftig als Partner zusammenarbeiten. Die Umsetzung des River-Tide-Modells in ländlichen Gegenden der Elfenbeinküste ist für das Jahr 2018 geplant, mit der Möglichkeit einer Ausweitung auf andere Gebiete. Die ivorische Regierung wird sowohl vor als auch nach der Durchführung des Programms an der Initiative beteiligt sein. Durch die Partnerschaft mit TRECC wird River-Tide erste Erfahrungen im frankophonen Afrika sammeln, und ich wünsche ihnen dafür viel Erfolg und hoffe, dass unser Bildungssystem so in der Lage sein wird, junge Ivorer auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten.

TRECC ist in Kakao anbauenden Gemeinden der Elfenbeinküste aktiv und unterstützt dort unter anderem innovative Bildungsprogramme zur Erhöhung der Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeit. Durch die Zusammenarbeit mit der ivorischen Regierung, mit Partnern aus der Kakaoindustrie und mit Organisationen vor Ort möchten wir sicherstellen, dass die ländlichen Gemeinden auch dann noch Zugang zu hochqualitativen Bildungsmöglichkeiten haben, wenn die Initiative der Jacobs Foundation abgeschlossen ist.