Ist Kinderbetreuung positiv oder negativ für den späteren Erfolg in der Schule?

Wie hängt die Bildungsentwicklung und das Sozialverhalten von Kindern mit familienergänzender Kinderbetreuung im Vorschulalter zusammen? Das dritte Whitepaper antwortet dank einer methodologisch einwandfreien Auswertung von hochwertigen Daten aus der Schweiz. Das Whitepaper zieht auch drei Schlussfolgerungen für die Politik.

Wirkt familienergänzende Kinderbetreuung positiv oder negativ auf die schulische Laufbahn und das Sozialverhalten von Kindern? Das neue Whitepaper präsentiert Antworten basierend auf fundierten Forschungsergebnissen. Die sehr hohe methodologische Qualität wurde durch die Verwendung von grossen und aktuellen Datensätzen von Längsschnitt-Untersuchungen aus der Schweiz ermöglicht. Die wichtigsten Resultate sind hier zusammengefasst.

Positive Resultate

Die Resultate des Whitepapers weisen auf einen mehrheitlich positiven Zusammenhang von familienergänzenden Betreuungsangeboten und der kognitiven und sprachlichen Entwicklung der Kinder hin. Allerdings sind die Effekte erst ab dem zehnten Lebensjahr nachweisbar. So sind beispielsweise Kinder, die eine Krippe besuchten, ab der vierten Klasse besser in Mathematik und Deutsch. Zudem gehen Kinder, die höchstens drei Tage pro Woche die Kita besuchten, öfters ins Gymnasium.

Demgegenüber sind die Zusammenhänge zwischen Sozialverhalten und familienergänzender Kinderbetreuung nicht eindeutig positiv. Insbesondere Kinder aus benachteiligten Familien, die viel Zeit in der Krippe verbringen, haben später vermehrt Probleme wie Ängstlichkeit und Depressivität. Untersuchungen in anderen Ländern haben einen positiven Effekt der Qualität der Betreuung auf das Sozialverhalten nachweisen konnten.

Des Weiteren zeigen die Resultate, dass sich frühkindliche Sprachförderung als sehr effektiv erweist. Mehrsprachige Kinder, die im Vorschulalter von Sprachförderung profitieren konnten, sind sieben Jahre später besser in Deutsch und Englisch.

Folgerungen für die Politik

Aus den Resultaten des Whitepapers können drei Schlussfolgerungen für die Gestaltung möglichst wirkungsvoller, die Ressourcen optimal nutzender Massnahmen gezogen werden.

  1. Die Anzahl der Tage von familienergänzender Kinderbetreuung ist entscheidend
    Positive Wirkungen haben sich vor allem dann feststellen lassen, wenn Kinder zwei bis drei Tage pro Woche von Angeboten der frühen Betreuung profitieren konnten. Für benachteiligte Familien hat sich eine Mischung von familienexternen und aufsuchenden Programmen als besonders wirksam erwiesen.
  2. Die Qualität der Betreuung ist ausschlaggebend für deren Wirkung
    Die Wirkung früher familienexterner Bildung, Betreuung und Erziehung hängt massgeblich von der Betreuungsqualität ab: Je höher die Qualität, desto besser. Die Ergebnisse der Untersuchungen machen deutlich, dass letztendlich in die Qualität investiert werden muss, damit auch regelmässige und intensive familienergänzende Kinderbetreuung in den frühen Jahren für die Entwicklung des Kindes positive Wirkungen entfalten kann.
  3. Sprachförderung ist der Schlüssel zum Erfolg
    Kinder mit Migrationshintergrund können besonders profitieren, indem Sprachkompetenzen und damit ihre soziale Integration bereits vor dem Schuleintritt gefördert werden. Formelle Kinderbetreuung kann Unterschiede im Schulreifegrad von Kindern mit verschiedenen familiären Hintergründen ausgleichen und damit auch die spätere Notwendigkeit der Fördermassnahmen für benachteiligte Kinder reduzieren.

Whitepapers über frühe Kindheit und Vereinbarkeit

Dieses im Jahr 2020 publizierte Whitepaper ergänzt die, die von der Jacobs Foundation im Rahmen der Forschungsagenda bereits publiziert sind. Das erste hat 2016 Kosten und Nutzen einer Politik der frühen Kindheit untersucht. Das zweite hat sich 2018 mit den Bedürfnissen der Eltern bezüglich Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit befasst.

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