Interview Nisha Ligon: Co-Founder und CEO von Ubongo

Sie haben schon auf der ganzen Welt gelebt und arbeiten nun in Tansania. Wie kamen Sie auf die Idee für Ubongo und wie sind Sie beim Aufbau vorgegangen?

Ich begann mich besonders während meines Studiums an der Universität in Dar es Salaam für das Thema Bildung zu interessieren. Da wurde mir bewusst, dass selbst die intelligentesten Studierenden in Tansania nicht die gleichen Bildungschancen haben, wie ich sie kannte. So begann ich Bildung als einen Multiplikator zu verstehen: Wenn wir Menschen eine Bildungsgrundlage ermöglichen, dann können wir einen Generationenwechsel bewirken.

Meine Mitgründer und ich wollten Kindern in Tansania und ganz Afrika unterhaltsame und qualitative hochwertige Lerninhalte zugänglich machen. Das Ganze sollte technisch möglichst einfach sein. Die ersten Songs, Animationen und Videos erstellten wir 2013 in Dar es Salaam, mit dem Ziel, diese für die Vermittlung von Rechenkompetenzen einzusetzen. Die Kinder liebten es und wir stellten fest, dass wir durch Edutainment-Inhalte in der lokalen Sprache und deren Verbreitung über Radio und TV auf einfache Weise Kinder im ganzen Land erreichen und ihnen beim Lernen helfen können. Gleichzeitig unterstützen wir sie dabei, Freude am Lernen zu entwickeln.

Wir haben uns als NGO registrieren lassen, als wir einen ersten Piloten für eine TV-Sendung bereit hatten, den die Kinder immer wieder anschauen wollten. 2014 haben wird dann unsere erste TV-Sendung “Ubongo Kids” gestartet und von da an ging es stetig weiter.

Was macht Ubongo anders und damit so erfolgreich?

Unser Kernprinzip besteht darin, qualitativ hochwertige, auf Kinder ausgerichtete, lokalisierte und modulare Bildungsinhalte zu schaffen. Diese sollen auf allen medialen Geräten empfangen werden können, auf die Kinder Zugriff haben. Zu Beginn waren das Radio, Fernsehen und SMS. Heute werden unsere Inhalte auch online geschaut oder auf dem Handy angehört. 

Wir investieren viel Zeit und recherchieren und testen regelmässig, um sicherzugehen, dass das, was wir entwickeln, auch den Bedürfnissen unserer Zielgruppe entspricht. Denn für den Lernerfolg der Kinder ist das Storytelling zentral, nicht die Technologie dahinter. Wir testen unsere Geschichten von Anfang an mit Kindern, so dass unsere Geschichten die Kinder auch wirklich ansprechen. Erst dann entwickeln wir sie weiter für die jeweiligen unterschiedlichen Plattformen wie Video, Audio oder für Bücher.

Gab es für Sie als CEO von Ubongo ein besonderes Highlight?

Ja, die Rückmeldungen der Kinder! Als wir mit Ubongo im Jahr 2014 zum ersten Mal im Fernsehen zu sehen waren, forderten wir die Kinder in der Mitte der Sendung auf, uns die Antwort auf eine Quizfrage zu senden. Wir bekamen tausende Nachrichten! Die Hälfte der Nachrichten waren tatsächlich Antworten auf die Quizfrage, die anderen wollten uns einfach Hallo sagen. Dass so viele Kinder unsere Sendung ansahen, sich angesprochen fühlten und uns in Echtzeit Feedback gaben, das war überwältigend.

Wir arbeiten ständig daran, uns zu verbessern. Wir tauschen uns laufend mit Kindern aus, die unsere Inhalte mit uns testen. Unser Büro liegt mitten in einem kinderreichen Viertel. Da sind wir am Puls und verstehen schnell, was Kinder inspiriert, was ihr Denken beeinflusst oder was sie zum Lachen bringt. Es macht mir immer noch sehr viel Freude zu sehen, wie Kinder auf unser Programm reagieren, und ich höre mir immer gerne ihre zahlreichen neuen Ideen für uns an.

Erzählen Sie uns noch etwas mehr über das zentrale Thema Ihrer Arbeit, Kinder beim Lernen zu unterstützen und ihre Freude für das Lernen zu wecken.

Es geht uns nicht einfach darum, den Kindern beizubringen wie man rechnet. Wenn Kinder beim Lernen auch begeistert sind, macht das einen grossen Unterschied. Reines Auswendiglernen hilft ihnen nicht zu verstehen, wie wichtig es ist, sich Wissen aneignen zu können. Wir befassen uns immer damit, warum man etwas lernen sollte und das mit “Kopf, Herz und Hand”.

Freude am Lernen ist zentral, um gute Lernerfolge zu erzielen. Wir haben zum Beispiel ein kleines Pilotprojekt mit “Screening Clubs” in abgelegenen Gemeinden durchgeführt. Die Kinder konnten ein- bis zweimal pro Woche in die Clubs kommen. Diese Kinder haben sogar Fortschritte in Fächern gemacht, die wir gar nicht angesprochen haben. Wir können da nicht zwingend einen Kausalzusammenhang herstellen, aber wir sehen das doch als Indiz dafür, dass Kinder in der Schule motivierter sind, wenn ihnen das Lernen Spass macht.  

Mit Ubongo verfolgen Sie die Vision, die nächste Generation mit einer Grundbildung, wichtigen Fähigkeiten und einer positiven Einstellung auszustatten, damit die Kinder ihre Zukunft und Gemeinden zum Besseren wandeln können. Haben Sie ein Beispiel, wie Sie konkret das Leben eines Menschen durch ihre Arbeit beeinflussen konnten?

Für mich ist es unglaublich spannend zu sehen, wie Kinder mit uns und den Ubongo-Charakteren aus unseren Sendungen aufgewachsen sind. Vor allem hier in Tansania, wo wir bereits seit sieben Jahren auf Sendung sind. Ein spezieller Moment war für mich auch, als eines der Kinder ihre Freundin als “Kibena” bezeichnete, weil diese so gut in Mathe sei, eben wie Kibena, eine Figur aus unserer Sendung. Forschungsergebnisse zeigen, dass Mädchen oft nicht an ihre mathematischen Fähigkeiten glauben. Als dieses Mädchen ein anderes Mädchen nicht als Einstein, sondern als Kibena bezeichnete, war das für mich sehr eindrucksvoll.

Eine Kindergruppe haben wir einmal gefragt, was sie aus einer Ubongo-Folge über die Beseitigung von Umweltbelastungen und umweltschädigenden Abwassersystemen lernen konnten. Ein Mädchen hat erzählt, dass es sie traurig macht, wenn Nachbarn ihren Abfall nicht korrekt entsorgten oder Abwasser einfach auf die Strasse laufen lassen. Unsere Sendung hat ihr nicht nur die Auswirkungen auf das Ökosystem erklärt, sondern ihr auch das Selbstvertrauen gegeben, dieses Wissen an ihren Nachbarn weiterzugeben und ihm die Auswirkungen auf die Umwelt und die Kinder aufzuzeigen. Der Nachbar hat das Problem daraufhin tatsächlich behoben, das hat mich beeindruckt. Wenn die Kinder zusammenarbeiten, werden sie Grosses bewegen können.

Wie werden Sie den Klaus J. Jacobs Best Practice Prize nutzen?

In Subsahara-Afrika werden unglaublich viele unterschiedliche Sprachen gesprochen. Für unsere Arbeit ist das eine grosse Herausforderung. Uns wird immer mehr bewusst, wie wichtig es ist, dass wir in unseren Programmen diese verschiedenen Sprachen abbilden können. Um zu verstehen, mit welchen Lösungen das am besten gelingen kann, werden wir Teile des Preisgelds einsetzen.  

Ausserdem möchten wir unsere Inhalte weiteren wissbegierigen Kindern zur Verfügung stellen, zum Beispiel auch Kindern mit Lernschwierigkeiten. Und natürlich ermöglicht die Auszeichnung, uns mit dem innovativen Forschernetzwerk der Jacobs Foundation zu verbinden und dieses Wissen in unsere Arbeit einfliessen zu lassen.

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