Interview Laura Brown, CEO PEAS

Wir sprachen mit Laura Brown, CEO von PEAS, über die Sekundarstufe in Afrika und darüber, wie Covid und Lockdown den afrikanischen Alltag veränderten.

PEAS ist eine Erfolgsgeschichte inmitten benachteiligter Gemeinschaften. Wie geht es Ihnen mit diesem Erfolg, der ja doch auch durch diverse lokale Widrigkeiten überschattet wird?

PEAS wurde vor zwölf Jahren gegründet, damals besuchte nur jedes dritte Kind in Subsahara-Afrika eine Sekundarschule. Zwar gibt es inzwischen bessere Bildungschancen, gleichzeitig führt das Bevölkerungswachstum aber dazu, dass sich der Anteil derjenigen, die eine Sekundarschule besuchen können, nicht verändert hat. Das zu akzeptieren, ist nicht einfach. Erst recht nicht, da wir davon ausgehen können, dass eine höhere Bildung auch gesünder, glücklicher und wohlhabender macht und die Teilnahme an demokratischen Prozessen fördert. Aber nur eines von drei Kindern erhält diese lebensverändernde Chance. Wenn ich dies mit meiner Arbeit verändern kann, dann motiviert mich das sehr. 

Sie sind seit 2010 Teil von PEAS in Uganda und haben im letzten Jahrzehnt eine Schlüsselrolle beim Wachstum von PEAS gespielt. Wie sind Sie auf PEAS aufmerksam geworden und was waren seither Ihre Highlights? 

Ich wollte eigentlich nur für ein Jahr in einem Land mit einer ganz anderen Bildungslandschaft arbeiten. Was für nur ein Jahr gedacht war, dauert nun schon deutlich länger an, denn ich bin einfach begeistert von dieser Organisation! Mein schönster Moment bisher ist vielleicht nicht die grösste Errungenschaft: Jedes Mal wenn wir eine neue Schule eröffnen können, ist das für mich ein echter Wow-Moment. Neue Schulen und von Kindern bevölkerte Klassenzimmer können mich im positiven Sinne umhauen!

Inzwischen sind wir viel mehr als nur ein Netzwerk von Schulen. Wir arbeiten mit Partnern und Regierungen zusammen, um erprobte und vielversprechende Vorgehensweisen für eine breitere politische Einflussnahme und Veränderung auszutauschen. Wenn es darum geht, unseren Einfluss zu skalieren, dann wird es genau hier spannend. Meine Arbeit macht für mich aber insbesondere dann Sinn, wenn ich die einzelnen Erfolgsgeschichten der Schulen und Lernenden miterleben kann.

Was meinen Sie damit, dass PEAS heute mehr als ein Netzwerk von Schulen ist?

Wir konnten nachweisen, dass unsere Schulen ärmeren Kindern zu einer besseren Bildung verhelfen, ihnen schnellere Lernfortschritte ermöglichen und dies sogar kostengünstiger als andere Schulen. Unsere Vision ist allerdings eine Welt, in der jedes Kind eine gute Ausbildung erhält, nicht nur die Kinder in den PEAS-Schulen. Wir wissen auch, dass wir dies nicht erreichen können, wenn wir alle Schulen selbst aufbauen und betreiben wollen. Mit unseren Schulen können wir ein gutes Beispiel sein und aufzeigen, wie es funktionieren kann. Unser ultimatives Ziel ist darum ein nachhaltiger Wandel auf Systemebene.

Deshalb arbeiten wir beispielsweise in Uganda mit der Regierung zusammen, um die PEAS-Schulinspektion und Verbesserungspraktiken auch an allen öffentlichen Schulen zu etablieren. Die Erkenntnisse aus diesem Programm fliessen dann in die Reform der ugandischen Prozesse und Verfahren für Schulinspektionen ein. 

Was macht PEAS anders? Was ist der Schlüssel zu Ihrem Erfolg? 

Es sind verschiedene Faktoren, die unser Vorgehen prägen. Erstens bedarf eine gute Ausbildung ganz unterschiedlicher Zutaten. Dies berücksichtigen wir und stellen sicher, dass wir nichts übersehen: Wir bauen die Schulhäuser, bilden die Lehrer aus, entwickeln Lehrpläne und wir bieten Mahlzeiten und ausserschulische Lernmöglichkeiten sowie Seelsorge-Angebote an.

Zweitens ist uns ein gleichberechtigter Zugang zur Bildung wichtig. PEAS richtet sind ganz bewusst an die am stärksten benachteiligten Gemeinden und Gruppen. Wir konkurrieren auch nicht mit staatlichen Schulen, sondern wollen zusätzliche Kapazitäten im System bereitstellen. Denn unser Schwerpunkt liegt auf den Kindern, die sonst womöglich gar nicht zur Schule gehen könnten.

Darüber hinaus gibt es einige weitere Aspekte, die wohl zu unserem Erfolg beitragen: Immer wieder überprüfen wir akribisch, ob das, was wir tun, auch Wirkung zeigt. Und wir setzen alles daran, um unsere Mitarbeitenden auszubilden und ihnen Verantwortung zu übergeben. Ein zentraler Teil unserer Philosophie besteht darin, Lehrerinnen, Lehrer und die Schulleitungen zu echten Veränderungen zu  inspirieren. Wir wissen, dass echter und nachhaltiger Wandel nur durch eine starke, verantwortungsbewusste und lokale Leitung möglich ist.

Sie bewegen gleich mit mehreren Massnahmen etwas in den afrikanischen Gemeinden. Auf welche davon sind sie besonders stolz? 

Ich bin sehr glücklich und stolz, dass wir mit PEAS-Schulen Kinder am Rande der Gesellschaft erreichen und ihnen eine richtig gute Sekundarbildung bieten können, obwohl sie das selbst nie für möglich gehalten hätten. Genau auf diese Gruppen fokussieren wir uns, unabhängig davon, ob sie aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Armut benachteiligt sind.

Sie möchten Ihr Alumni-Netzwerk verbessern, um mehr über die Absolventen zu erfahren: Was machen heute einige der Ehemaligen?

Es macht mich immer glücklich, wenn ich in einer unserer Schulen den Unterricht einer guten und engagierten Lehrperson beobachte und mir dann der Schulleiter erzählt, dass die Lehrperson als Kind eine PEAS-Schule besucht hat. Wir haben einige erstaunliche Beispiele von grossartigen jungen Lehrpersonen, die heute in der Schule unterrichten, in der sie selbst einmal Schüler waren. 

Die PEAS-Schulen sind vollständig selbsttragend und das Finanzierungsmodell mit niedrigen Schulgebühren gewährleistet hochwertige Bildung in einem Umfeld mit wenigen Ressourcen. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Wir sammeln Spenden für den Bau von Schulen, so dass wir sie schuldenfrei eröffnen können. Die Schulen müssen dann ihre eigenen Betriebskosten decken. Dies geschieht durch eine Kombination aus sehr niedrigen Schulgebühren und Massnahmen, die Einkommen generieren. Das sind meist kleine Agrar-Geschäfte, wie Kaffee- oder Bananenplantagen oder die Zucht von Geflügel und Ziegen.

Wir haben ein gutes Finanzierungsmodell und bilden unsere Schulleiterinnen und Schulleiter in Finanzmanagement aus. Wir sind auch auf die Einhaltung der Vorschriften bedacht und verfügen über ein funktionierendes Kontrollsystem, um Ineffizienz oder Missbrauch von Schulgeldern zu verhindern. Gerade auch als Non-Profit-Organisation möchten wir ein Beispiel für gutes Management sein.

Wie wird der Klaus J. Jacobs Best Practice Prize 2020 Ihnen dabei helfen? 

Das Geld hilft uns sehr, unsere Mission voranzutreiben. Wir wollen unsere Schulnetzwerke  erweitern und noch stärker mit Regierungen zusammenarbeiten. Ein wichtiges Projekt wird auch sein, die während des Covid19-Lockdowns gesammelten Erfahrungen mit Remote Learning in unseren normalen Schulalltag zu integrieren. Die Schulschliessungen haben uns gezwungen, innovativ zu werden, wir haben einige neue Sachen ausprobiert. Beispielsweise unterstützten wir die Kinder in dieser Zeit mittels Radio, Mobiltelefon und Home-Learning-Paketen. Einige dieser Angebote möchten wir weiterführen. Das Preisgeld der Jacobs Foundation wird uns dabei definitiv helfen.

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