Für Bauern in Sambia Finanzierungsmöglichkeiten schaffen

Weltweit sind hunderttausende Mikrofinanzinstitutionen tätig, dennoch hat es der Sektor nicht geschafft, sein wichtigstes Ziel zu erreichen: die Armut durch nachhaltiges unternehmerisches Wachstum zu reduzieren. 75 % der bedürftigen Menschen weltweit (mehr als 1 Milliarde Menschen[1]) verdienen ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft. Nur ein Bruchteil ihres Bedarfs an Kleinbauernfinanzierung, weniger als 10 % , wird derzeit gedeckt.[2] In einem so riesigen Markt ist es sehr wahrscheinlich, dass innovative Lösungen Erfolg hätten und Finanzdienstleister diese unterversorgten Gemeinden erreichen könnten.

Finanzierung auf dem Land ist schwierig, aber auch eine riesige Chance

In ländlichen Gegenden Finanzdienstleistungen anzubieten, ist nicht ganz einfach, und die meisten Anbieter lassen sich von hohen Betriebskosten und Risiken abschrecken. Dazu kommen ein Informationsmangel und fehlendes Wissen über die Bedürfnisse von Kunden auf dem Land. Mit meinem Start-up möchte ich diese Hindernisse aus dem Weg räumen. Dazu nutze ich eine Technologie, die anzeigt, wie Bauern und Kleinunternehmer in ländlichen Gegenden arbeiten. Ich habe Sambia als Testmarkt gewählt, da dort beinah 9 Millionen Menschen weit verstreut in ländlichen Gegenden wohnen und in der Landwirtschaft tätig sind. Ausserdem leben mehr als 10 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze, die meisten von ihnen auf dem Land.

Auf dem Weg zu einem ländlichen Ort in der Nähe von Kapiri Mposhi, Sambia, um Kleinbauern zu interviewen.

Chancen in Sambia ausloten

Mit Fördergeldern in Form eines Seed Grants des MIT-Legatum-Centers verbrachte ich im Januar zwei Wochen in Sambia, um Stakeholder und potenzielle Partner zu treffen und ein Geschäftsmodell zu entwickeln. In dutzenden Gesprächen und Befragungen wurde klar, wie viel sich im Bereich der ländlichen Finanzierung bewegt und welches Potenzial sie bereithält. Ich traf mich mit Organisationen, die in diesem Sektor tätig sind und innovative Ideen für Politik und Praxis unterstützen, darunter UNCDF, AgriFin, FSD Zambia und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. Ausserdem sah ich, wie viel sich in der Finanztechnologie getan hat. So bieten Telekommunikationsunternehmen und Start-ups wie Zoona Bezahlmöglichkeiten am Schalter oder über das Mobiltelefon an. In Gesprächen mit über 30 Bauern, Finanzdienstleistern und Abnehmern wurde deutlich, dass ein Interesse an und ein Wille zur Digitalisierung besteht.  Allerdings sind die Parteien bisher auf manuelle Systeme angewiesen und es fehlen – im Fall der Anbieter – die nötigen Investitionen und das Wissen um den ländlichen Markt.

Eine Lösung finden

Mein Ziel ist es, etwas gegen die hohen Kosten zu tun und Kleinbauern leichteren Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen, damit diese mehr Land bearbeiten können, ihre Produktivität steigern und ihre Lebensbedingungen verbessern. Ein höheres Einkommen und finanzielle Stabilität sind die Grundlage für andere Verbesserungen im Leben der Bauern und ihrer Familien. So führen bei Kindern eine gesunde Ernährung und die nötigen Finanzmittel für die Bezahlung des Schulgeldes zu besseren Schulleistungen, eine wesentliche Voraussetzung, um den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen. Ein wichtiger Schritt für die Entwicklung einer Lösung war eine Ist-Analyse des Sektors, um besser zu verstehen, wie Technologien eingesetzt werden können, um Grundbedürfnisse zu stillen. In den zwei Wochen im Januar konnte ich bereits damit beginnen, wesentliche Fragen zu beantworten: Wie funktioniert der Sektor? Welche Herausforderungen gibt es? Wie könnte eine Lösung aussehen? Ich nutzte die Gelegenheit für Gespräche mit potenziellen Sponsoren und Partnern, die die soziale Wirkung vervielfachen und den Entwicklungsprozess beschleunigen könnten.

 

Schatten finden unter einem Mangobaum, nachdem eine Gruppe Bauern in Zentral-Sambia interviewt wurde.

Sambia ist bereit für eine Lösung, die die Lücke zwischen Finanzdienstleistern und Bauern schliesst, die Technologien für die Kostensenkung nutzt, anhand von Daten mehr über ländliche Kunden in Erfahrung bringt und das nötige operative Know-how mitbringt, um einen effektiven und zuverlässigen Service zu gewährleisten. Wenn die Kosten gesenkt werden und Kleinbauern vermehrt Zugang zu Finanzdienstleistungen erhalten, sind sie in der Lage, mehr Land zu bearbeiten, ein höheres Einkommen zu erzielen und ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

Mark Adams befasst sich im Bereich der internationalen Entwicklung mit finanzieller Inklusion, mit dem Ziel möglichst viele Menschen zu erreichen und eine grösstmögliche Wirkung zu erzielen. Spezialisiert hat er sich auf die Planung und Einführung neuer Projekte in Entwicklungsländern durch den Aufbau und die Nutzung starker Kooperationen. Zuletzt war er drei Jahre lang in Kenia für den One Acre Fund tätig, eine Non-Profit-Organisation, die 400.000 Kleinbauern im östlichen und südlichen Afrika Dienstleistungen anbietet.

Quellen:
[1] Agriculture sector strategy 2010 2014, African Development Bank; World development report 2008: Agriculture for development, World Bank

[2] Dalberg, “Catalyzing Smallholder Agricultural Finance”, 2013 and Rural and Agricultural Finance Learning Lab, “Inflection Point”, 2016