Kidogo – Die im kenianischen Nairobi ansässige Hilfsorganisation Kidogo wurde gegründet, um die Kinderbetreuungskrise in Kenia zu bewältigen. Mängel in der Kinderbetreuung wirken sich lebenslang auf die körperliche und geistige Gesundheit, die Schulleistungen und die späteren Berufsaussichten von Kindern aus. Über 60 Prozent der städtischen Bevölkerung Kenias leben in informellen Siedlungen. Dort sehen sich Mütter mit der schwierigen Frage konfrontiert, wer ihre Kleinkinder beaufsichtigt, während sie arbeiten. Entweder müssen die älteren Geschwister, meist heranwachsende Mädchen, aus der Schule genommen werden, damit sie sich um die jüngeren kümmern, oder die Kleinkinder werden in einer inoffiziellen Kindertagesstätte untergebracht, die nur eine Beaufsichtigung durch ungeschultes Betreuungspersonal anbietet. Doch diese nicht lizensierten und oft unhygienischen Einrichtungen schaden meist mehr, als dass sie nutzen. Neben der schlechten Versorgung und mangelnder Hygiene, werden die Kinder dort häufig vernachlässig oder sogar misshandelt. Dadurch wird das Entwicklungspotenzial der Kleinkinder in den entscheidenden frühen Jahren nachhaltig beeinträchtigt.

Kinder aus informellen Siedlungsgebieten gehören daher zu den gesundheitlich am stärksten beeinträchtigten im ganzen Land. Beinahe die Hälfte (46 Prozent) leidet unter Wachstums- und Entwicklungsstörungen, mangelnde Anregung und Krankheiten, die die vollständige Entwicklung des kindlichen Gehirns beeinträchtigen. Neunzig Prozent des Gehirns entwickeln sich bis zum Alter von fünf Jahren. Wenn ein Kind diese wichtigen Jahre in einer unsicheren, ungesunden Umgebung verbringt, liegen schon bei der Einschulung kognitive, emotionale und körperliche Defizite vor. Diese Kinder erzielen oft keine guten schulischen Leistungen und ohne eine solide Schulbildung üben sie als Erwachsene häufig einfache, unterbezahlte Tätigkeiten aus. So setzt sich der Kreislauf der Armut in ihrer Generation fort.

350 Millionen Kinder weltweit sind solchen Bedingungen ausgesetzt – weshalb von einer Kinderbetreuungskrise gesprochen wird. Kidogo wurde ins Leben gerufen, um dieses Problem anzugehen. Das Projekt nutzt einen innovativen Social-Franchising-Ansatz. Dabei werden sogenannte „Mamapreneurs“ (Mama-Unternehmerinnen) gesucht, geschult und beim Aufbau eigener Kleinunternehmen für frühkindliche Erziehung und Bildung unterstützt. Das Mamapreneur-Netzwerk von Kidogo bietet erschwingliche und hochwertige Kinderbetreuung vor Ort an, wobei jede Betreuungseinrichtung rentabel und selbsttragend ist. Auf diese Weise erhalten Kleinkinder in den ersten fünf Lebensjahren eine hochwertige frühkindliche Förderung.

Über einen Zeitraum von acht Jahren hat sich Kidogo zum grössten Kinderbetreuungsnetzwerk in Kenia entwickelt. 538 Mamapreneurs betreuen als Einzelunternehmerinnen rund 11‘000 Kinder.  Jede Verbesserung für ein einzelnes Kind führt durch die daraus resultierenden Verbesserungen für die Mütter und älteren Geschwister indirekt zu einer dreifachen Wirkung. Der ganzheitliche Ansatz von Kidogo, zu dem auch Ernährungsmassnahmen gehören, führt innerhalb eines Jahres zu einer Verringerung der Mangelernährung um 32 Prozent und der Wachstums- und Entwicklungsstörungen um 23 Prozent. 80 Prozent der Kinder in den Einrichtungen von Kidogo entwickeln sich altersgerecht. Zudem hat Kidogo ein Umdenken angeregt: Eltern und Mitarbeitende sind nun davon überzeugt, dass Kinder von Geburt an lernen und nicht erst ab der Einschulung.

Darüber hinaus engagiert sich Kidogo durch Lobbyarbeit mit Partnern in der Politik. Dies führte dazu, dass die kenianische Regierung ein Gesetz zur frühkindlichen Erziehung verabschiedete. Kidogo wurde zudem von der Weltbank, der Internationalen Arbeitsorganisation, vom Magazin Stanford Social Innovation Review, der Internationalen Finanz-Corporation und von UN Women sowie der Harvard University gewürdigt.

Das Projekt setzt sich ausserdem dafür ein, dass Kinderbetreuung nicht mehr als Arbeit zweiter Klasse angesehen wird, und will das Selbstvertrauen der Mamapreneurs und das Ansehen ihrer Arbeit durch Engagement in Gemeinden und durch Lobbyarbeit stärken. 

Im Jahr 2021 verzehnfachte Kidogo seine Reichweite und plant eine fortlaufende Ausweitung des Social-Franchising-Modells durch evidenzbasierte Skalierung, politische Einflussnahme, Partnerschaften und Systemveränderungen. Dadurch sollen bis zum Jahr 2027 100´000 Kinder in Ostafrika erreicht und das Kinderbetreuungssystem grundlegend verändert werden.

 

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