Fachtagung Frühe Förderung – ein Kinderspiel?

An der Fachtagung Primokiz betonen rund 200 Experten aus Praxis und Wissenschaft am 13. März 2014 die Bedeutung der Frühen Förderung in der Schweiz.

An der Fachtagung im Stade de Suisse in Bern machte Prof. Dr. Sascha Neumann vom universitären Zentrum für frühkindliche Bildung Fribourg darauf aufmerksam, wie Kinder, insbesondere im Krippen- und Kindergartenalter durch wechselnde Betreuungssettings geprägt werden. In diesem Altersabschnitt fallen die Grenzen zwischen familiärer und professioneller Betreuung sowie zwischen Betreuungs- und Bildungsinstitutionen besonders ins Gewicht. Neumann hob hervor, dass die unterschiedlichen Betreuungskomponenten für das Kind und seinen weiteren Lebensverlauf bedeutend seien, da sie sich als Quelle ungleicher Kindheiten erweisen können. Denn die Ausgestaltung von Betreuungsarrangements ist abhängig von der sozialen Milieuzugehörigkeit der Eltern. Hierin kommt das “klassische” Präventionsdilemma zum Ausdruck: Kinder, die am meisten von formeller Betreuung profitieren könnten, sind dort am wenigsten häufig anzutreffen.

Eltern erreichen

Die Geschäftsführerin von Elternbildung CH, Maya Mulle, wies auf die nach wie vor bestehende Herausforderung hin, dass oftmals alle Eltern mit Angeboten der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) erreicht werden sollen. Jedoch sind eigentlich nur die Eltern gemeint, die verunsichert sind, in schwierigen Lebenssituationen stecken oder die sich fremd in der Kultur fühlen. „Diese Eltern erreichen wir aber nur, wenn wir auf sie zugehen und sie willkommen heissen“, so Mulle.

Unter dem Motto „Eltern erreichen“ standen dann auch die 18 sogenannten Ateliers. In diesen Informations- und Lernstationen wurde jeweils eine praktische Methode präsentiert, wie man Eltern erfolgreich auf die Angebote der FBBE aufmerksam machen kann. Auf besonders starkes Interesse stiess das Atelier „Fit für die Schule – auch Eltern erweitern ihre Kompetenz durch die Spielgruppe“. Hier informierte Rita Volkart von der Geschäftsstelle Elternbildung des Kantons Zürich, wie 13 Spielgruppen in einer Gemeinde ungewöhnlich viele Eltern mit Migrationshintergrund erreichen. Begeistert waren die Teilnehmer auch von dem Atelier „frühEffekt Aarau: starke Mütterberaterinnen und ein produktives Netzwerk“. Die Leiterin der Fachstelle Kind und Familie, Beatrice Laube, schilderte, wie schwer erreichbare Eltern vermehrt Zugang zu den Angeboten der Elternbildung finden und wie es gelingt, belastete Familien von Beginn an in eine kontinuierliche Begleitung einzubinden.

Ein gelungener Abschluss der Tagung stellte das Referat von Dr. Julia Berkic vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München dar. Sie erklärte die Zusammenhänge zwischen verlässlichen Beziehungen und kognitiver Entwicklung: „Bindung und Exploration bedingen sich gegenseitig“. Wenn das Kind über eine stabile Bindung zu seinen Eltern und zu seinem Betreuungsumfeld verfügt, hat es eine gute Balance, um sich auf die „Entdeckungen des Lebens“ einzulassen. Mehrere Jahrzehnte Bildungsforschung belegen, wie die kindliche Lust am Erkunden der Welt mit seinen Bindungserfahrungen zusammenhängt. „Durch stabile und feinfühlige Interaktionen in den ersten Lebensjahren – innerhalb und ausserhalb der Familie – werden die wichtigsten Grundlagen für Freude am Lernen gelegt.“ Berkic bekräftigte, dass Frühförderung ohne eine sichere Bindungsumgebung wirkungslos ist und der wichtigste Qualitätsaspekt der frühkindlichen Bildung die Beziehungsqualität sei.

Die Fachtagung, die von der Jacobs Foundation veranstaltet wurde, fand im Rahmen des Programms Primokiz zum ersten Mal statt.

Weitere Informationen zum Programm Primokiz unter www.primokiz.ch

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