Eine Schulklasse auf Spurensuche

Erstmals erkundeten im Rahmen der Ausstellung „L’Afrique des Colliers: Marie-José Crespin“ Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse des Schulhaus Waidhalde die Welt der Perlen im Johann Jacobs Museum. Sie folgten der Geschichte der Materialien, der Objekte und der globalen Handelsbeziehungen und wurden dadurch zu Forschern und Entdeckern.

Bei ihrem Museumsbesuch im September 2018 lernten die Schüler und Schülerinnen die grosse Vielfalt der Colliers kennen. Sie wählten ein Objekt, das sie besonders ansprach, zeichneten und erforschten es nach der Devise: Welche Geschichten und Assoziationen schlummern in Materialien und Formen? Bekannter Stoff aus der Schule wurde plötzlich in der Gegenwart anfassbar – die Jungsteinzeit, die alten Ägypter, Wissen über Flamingos, die Verarbeitung von Steinen und Metallen, Entwicklung des Handels und Sklavenhandel. Besonders beeindruckend war dabei die ausgestellten Objekte hautnah erleben und auch berühren zu dürfen.

Im Voraus waren die Schüler und Schülerinnen ermuntert worden, in den Ferien und zuhause nach Gegenständen Ausschau zu halten, die für sie mit besonderen Erinnerungen verbunden waren, und diese mitzubringen. Diese eigenen Erinnerungsstücke wurden ähnlich gesichtet und erforscht, und die persönlichen Geschichten sowie diejenigen der Materialien dazu festgehalten.

Kunst und Geschichte für alle erlebbar machen

Ein Teil des Projekts fand in Form eines Elternabends im Museum statt. Die Kinder führten die Eltern und Angehörigen in Gruppen durch die Ausstellung und stellten die von ihnen ausgewählten Highlights der Ausstellung vor.

Die eigentliche Arbeit begann dann in der Schule. In den anschliessenden Wochen war jedes Kind in die Gestaltung des eigenen Colliers vertieft und sah sich mit allerlei künstlerischen Fragen konfrontiert: Welche Materialien oder Dinge sind mir wichtig, welche Bedeutung haben sie für mich, aber auch: Wie kann ich ihren Zauber anderen Menschen nahebringen?

Für die öffentliche Ausstellung im Schulhaus, zu der Angehörige der Schüler wie auch die Nachbarschaft eingeladen waren, wurden die fertigen Colliers präsentiert und mit Stichworten die Materialien, die Herkunft der Objekte und ihre persönliche Bedeutung beschrieben.

Die Arbeit im Museum wie auch am eigenen Collier hat Verbindungen erleb- und erfassbar gemacht zwischen sachlicher Forschung an Materialien und deren Herkunft, und den darin enthaltenen Geschichten und Emotionen.

Das Schulprojekt wurde im Rahmen des Lehrgangs für Kulturvermittlung kuverum mit dem Schulhaus Waidhalde und dem Verein Zürcher Museen durchgeführt. Das Johann Jacobs Museum hat daran teilgenommen, wobei 25 Klassen eines von 25 Zürcher Museen auswählten. Die Vielfalt der 25 Klassenprojekte – vom Kindergarten bis zur Oberstufe – wird in einer Publikation zusammengefasst. www.museumwaidhalde.ch

Das Bildungsprogramm des Johann Jacobs Museums

Als Teil der Jacobs Foundation hat sich das Johann Jacobs Museum der Förderung junger Menschen verschrieben und will Kinder und Jugendliche mit der wechselvollen Geschichte der Globalisierung vertraut machen und dazu ihre Sichtweise und Erfahrungen erkunden. Aufgearbeitet und veranschaulicht am Leitfaden von Handelsgütern wie Kaffee, Kakao, Rohöl und Seide vermittelt das Museum ein breiteres Verständnis für die komplexen Zusammenhänge der globalen Handelswege. 

Mit einem attraktiven Schulklassenangebot will das Johann Jacobs Museum in Zukunft einen vertieften Bildungsauftrag wahrnehmen und durch eine kreative Lernatmosphäre neue Zugänge zu Bildungsinhalten eröffnen. Ein Projektteam, bestehend aus internen Mitarbeitern und externen Spezialisten, wird in den nächsten Monaten ein nachhaltiges Programm für Sekundarschulen in der deutschsprachigen Schweiz entwickeln. Dafür werden bereits erste mehrteilige Vermittlungsangebote durchgeführt und die dort gewonnenen Erkenntnisse in das neue Bildungsprogramm einfliessen.