Die richtigen Sozialunternehmen für die Geldanlage finden

Impact Investing, das heisst die finanzielle Förderung von gemeinnützigen oder gewinnorientierten Sozialunternehmen, sorgt für einen Wandel im Spendensektor. Einzelspender, Familiengesellschaften und Stiftungen prüfen, ob sie durch wirkungsorientiertes Investieren ihr Kapital nachhaltig anlegen und damit gleichzeitig ihr Ziel verfolgen können, messbaren sozialen Nutzen zu schaffen.

Doch in vielen Organisationen stehen nur begrenzt Investitionsmittel und nur wenige Mitarbeiter zur Verfügung. Das beschränkt die Höhe – und damit die Wirkung – von Investitionen und bedeutet, dass in der Institution nicht immer Mitarbeiter mit dem nötigen Wissen und der nötigen Erfahrung arbeiten, um gute Investitionsmöglichkeiten zu finden und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Während meiner Tätigkeit als Leiter von studentischen Impact Investing Teams sind wir auf ähnliche Probleme gestossen und haben Best Practices entwickelt, die auch auf Stiftungen übertragbar sind, die sich für Impact Investing interessieren.

Erkenntnisse aus der Praxis: Haas Impact Investing Network (HIIN)

Das Haas Impact Investing Network (HIIN) an der Haas School of Business der University of California Berkeley bietet MBA-Studenten die Möglichkeit, erste eigene Erfahrungen mit wirkungsorientiertem Investieren zu sammeln. Jedes Jahr werden sechs Haas MBA-Teams ausgewählt, um als Impact Investoren ein Sozialunternehmen zu finden, auf Risiken zu prüfen und für ein 50.000 USD Investment vorzuschlagen.
In den vergangenen zwei Jahren habe ich einerseits als Impact Investor und Leiter des Gesundheitsteams selbst teilgenommen und andererseits als Managing Fellow die Studierenden durch den Investitionsprozess geführt. In beiden Rollen konnte ich beobachten, wie schwer es den Teams fiel, ein geeignetes Sozialunternehmen in der Frühphase zu finden. Daher führten die Managing Fellows für die diesjährigen Impact Investing Teams eine Workshopreihe durch, um häufige Probleme bei der Unternehmenssuche zu identifizieren und eine optimale Vorgehensweise zu erarbeiten.

Eine Investitionsstrategie entwickeln

Problem: Bevor wir uns auf die Suche nach Organisationen machten, entwickelte unser Team eine Investmentthese, mit der wir Makrosektortrends auswerteten, um geeignete Investitionsmöglichkeiten zu finden. Die Entwicklung der These stellte sich allerdings als sehr zeitintensiv heraus und verlangte eine Branchenkenntnis, die unser Team nicht besass. Unsere These war daher sehr restriktiv und sortierte zahlreiche Organisationen aus, die einer näheren Überprüfung womöglich wert gewesen wären.

Best Practice: Für eine Investitionsstrategie mit These sind viel Zeit und Expertise nötig. Zwar kann man damit besonders geeignete Nischeninvestitionen finden, andererseits werden unter Umständen gute Anlagemöglichkeiten ignoriert. Für Investoren, die weder die Zeit noch das nötige Branchenwissen haben, empfiehlt sich der Bottom-Up-Ansatz. Dabei handelt es sich um einen opportunistischen und generalistischen Investitionsansatz, der sich bei der Identifizierung von Investitionsmöglichkeiten auf eine sorgfältige Due-Diligence-Prüfung der jeweiligen Organisation verlässt statt auf ein willkürliches Prüfinstrument.

Gründungsmitglieder evaluieren

Problem: Da wir nur ansatzweise wussten, welche Faktoren für den Erfolg eines Sozialunternehmens verantwortlich sind, konzentrierte sich unser Team bei der Analyse der Gründungsmitglieder auf deren Begeisterung für ihr Produkt und ihre Branchenerfahrung.

Best Practice: Die besten Impact-Investing-Unternehmen treffen eine Investitionsentscheidung erst nach einer sorgfältigen Überprüfung der Gründungsmitglieder. Ausser Begeisterung und Branchenkenntnis interessieren sich Impact Investoren für Sozialunternehmen, deren Gründer folgende Merkmale aufweisen:

  • Mehrere Gründer: Mehrere Gründer mit unterschiedlichen Kompetenzen, die zu Produkt und Markt passen. Branchenkenntnis, technisches Know-how und Charisma sind Merkmale, die die Gründer aufweisen müssen.
  • Klug und entschlossen: Gründungsmitglieder sollten nachweislich in der Lage sein, Hürden zu nehmen, und, wenn nötig, die Richtung zu wechseln.
  • Beziehung untereinander: Einer der Hauptgründe für den Misserfolg eines Start-ups sind Konflikte zwischen Gründungsmitgliedern. Wie lange und wie gut sich die Gründungsmitglieder kennen, lässt Rückschlüsse darauf zu, ob das Team auch in schwierigen Zeiten erfolgreich sein wird.
    Die Erkenntnisse des HIIN sind auch auf Stiftungen mit wenigen Mitarbeitern anwendbar, die an Impact Investing interessiert sind, um das Erreichen ihrer Stiftungsziele mit einer nachhaltigen Kapitalanlage zu verbinden. Um geeignete Sozialunternehmen in der Frühphase zu finden, sollten die Stiftungen diese auf Branchenkenntnis, existierende Netzwerke und Merkmale der Gründungsmitglieder prüfen.

Victor Leclere hat sein Studium an der University of North Carolina in Chapel Hill mit einem Bachelor of Science in Public Health abgeschlossen. Er sagt: „Ich bin froh und stolz, Teil der Jacobs Foundation und des Talent-Netzwerks zu sein. Der Einsatz der Jacobs Foundation für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hängt unmittelbar mit der Ernährung und dem Zugang zu medizinischer Versorgung zusammen. Als Jacobs Fellow hoffe ich mehr über die Initiativen der Stiftung zu erfahren, sowie eigene Erkenntnisse beizusteuern und an der Schnittstelle von Entwicklung und Gesundheit Möglichkeiten auszuloten.”

Der 26-jährige Stipendiat aus Frankreich war in den vergangenen 4,5 Jahren als Berater für neue Krankenhäuser und Gesundheitssysteme in Katar, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den Vereinigten Staaten tätig.

 

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