Die richtigen Bücher zur richtigen Zeit: 2 Opas, 1 Baby

Kann man Babys richtige oder falsche Bücher vorlesen? Interessante Antworten gibt ein öffentlicher Werbespot, der von Fellows des Learning Science Exchange Programms produziert wurde. Das zweijährige Fellowship Programm bringt 12 Teilnehmer aus den Bereichen Wissenschaft, Journalismus, Unterhaltung und Politik zusammen, damit sie voneinander lernen und miteinander ein gemeinsames Projekt erarbeiten können.  Alle drei Projekte werden im Newsletter der Jacobs Foundation vorgestellt, beginnend mit “Read the Right Books at the Right Time”.

Wer die Öffentlichkeit über wissenschaftliche Erkenntnisse zur Kindesentwicklung informieren will, braucht eine mehrgleisige Kommunikationsstrategie. Studien haben gezeigt, dass es den Lernprozess im ersten Lebensjahr fördert, wenn die Figuren in Kinderbüchern individuelle Namen erhalten. Wir beschlossen daher, einen öffentlichen Werbespot zu drehen, um Eltern und Betreuungspersonen darüber aufzuklären, wie wichtig es ist, Kindern früh und häufig vorzulesen und dafür die richtigen Bücher zur richtigen Zeit zu verwenden. Unsere Strategie beinhaltet vier Bereiche: Die Nutzung von Fachwissen aus Studien über die Entwicklung von Babys, die Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse im Unterhaltungsbereich bzw. im Journalismus und die Förderung sozialpolitischer Massnahmen zur Unterstützung von Familien und Kindern. Die Arbeit fand im Rahmen des von der Jacobs Foundation finanzierten Learning Sciences Exchange Fellowship  (LSX) statt.

Team (von links nach rechts): Robert Carpenter, Lisa Scott, Sujata Gupta, Katie Whitehouse

Die Nutzung von wissenschaftlichen Studien zur Entwicklung von Babys: Eltern und Betreuungspersonen fördern die Entwicklung von Babys auf vielfältige Weise, z. B. durch die gemeinsame Vorlesezeit. Diese ist für die Kindesentwicklung von entscheidender Bedeutung. Aber lesen wir unseren Babys die richtigen Bücher zur richtigen Zeit vor? Studien lassen darauf schliessen, dass Kinder im Alter von 6 bis 9 Monaten aufmerksamer sind, mehr lernen und deutlichere Gehirnreaktionen zeigen, wenn die Eltern ein Buch vorlesen, in dem die Figuren individuelle Namen haben (z. B. „Mr. Wigglesworth“). Das Vorlesen von Büchern mit Figuren, die gar nicht oder nur generisch benannt sind (z. B. „Elefant“), führt bei Babys unter 9 Monaten hingegen nicht zu einem Lernzuwachs. Eine Kommunikation dieser wissenschaftlichen Erkenntnis kann sich in mehrfacher Hinsicht positiv auswirken: Buchcharaktere bekommen beim Vorlesen individuelle Namen, die Vorlesezeit wird fest in den Familienalltag integriert, es entsteht eine starke Eltern-Kind-Beziehung und die spätere Sprachentwicklung sowie die Lese- und Schreibfähigkeit werden gefördert.

Die Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse im Unterhaltungsbereich: Wir haben einen öffentlichen Werbespot gedreht, der Forschungsergebnisse kommuniziert und darüber aufklärt, wie wichtig es für die frühkindliche Entwicklung ist, dass die richtigen Bücher zur richtigen Zeit gelesen werden – in diesem Fall Bücher mit Figuren, die individuelle Namen haben. Unser Ziel war es, eine Botschaft und Charaktere zu entwickeln, die ganz unterschiedliche Familien ansprechen würden. Also dachten wir uns eine witzige Geschichte mit einer multiethnischen Familie aus, in der die zwei Grossväter gemeinsam auf ihre Enkelin aufpassen. Beide Männer wollen bei Baby punkten und tragen eine „Bücherschlacht“ aus. Der eine Opa glaubt, es sei wichtig, Babys gestenreich und laut zu unterhalten, der andere wiederum ist der Meinung, man solle ihnen Romanabschnitte vorlesen, um Geist und Emotionen anzuregen. Als die Eltern unerwartet zurückkommen, schreiten sie ein und korrigieren die Grossväter: Für Babys unter 9 Monaten ist es wichtig, Bilderbücher vorzulesen und den Figuren Namen zu geben.

Langfristig  wollen wir eine breite Öffentlichkeit über wissenschaftliche Erkenntnisse zur frühkindlichen Entwicklung informieren. Dazu möchten wir „2 Opas, 1 Baby“ in eine Reihe von öffentlichen Werbespots und eine Sitcom weiterverarbeiten, in der pro Folge ein Forschungsergebnis zur frühkindlichen Entwicklung behandelt wird.

Mama und Baby aus „2 Opas, 1 Baby“

Die journalistische Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse: Wissenschaftsjournalisten müssen komplexe Sachverhalte so klar und deutlich wie möglich kommunizieren. Doch das Wissen um Storytelling als Mittel, um Leser in seinen Bann zu ziehen, deckt sich mit Kommunikationsstudien, die zeigen, dass fiktive Geschichten, Humor und andere weniger direkte Kommunikationswerkzeuge genauso effektiv sein können, um einem Laienpublikum wissenschaftliche Erkenntnisse nahezubringen – wenn nicht gar effektiver. Daher beschlossen wir, einen öffentlichen Werbespot zu drehen.

Die Förderung sozialpolitischer Massnahmen zur Unterstützung von Familien und Kindern: Wer sozialpolitische Massnahmen durchsetzen will, die einen Grossteil der Bevölkerung betreffen, muss dazu auf den öffentlichen Willen zählen können – und das kann man fördern, z. B. durch öffentliche Werbespots, die über die Hintergründe aufklären. In unserem Film erfahren Betreuungspersonen, mit welchen Büchern Babys unter einem Jahr am meisten lernen. Gleichzeitig wird impliziert, dass es wichtig ist, Kindern vorzulesen und mit ihnen in den ersten Lebensmonaten sinnvoll zu kommunizieren. So entsteht in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein dafür, dass die ersten Lebensjahre wirklich zählen, und ein Interesse an Massnahmen zur Unterstützung von Familien und zur Förderung der Kindesentwicklung. Wir wollen zur Erarbeitung sozialpolitischer Massnahmen beitragen, damit Eltern ein Umfeld schaffen können, in dem sich ihre Kinder optimal entwickeln – mit der nötigen Bildung und Betreuung.

 

LSX ist ein interdisziplinäres zweijähriges Fellowship im Bereich der Kinderentwicklung (0-5 Jahre), das traditionelle Mauern einreißen soll, damit Experten aus Wissenschaft, Journalismus, öffentliche Verwaltung  und Unterhaltung zusammenarbeiten können. Zwei Jahre lang werden die Fellows  an Projekten zusammenarbeiten, um die Erkenntnisse aus der Wissenschaft des Lernens für neue Zielgruppen aufzubereiten. So sollen die Teilnehmer lernen, wie man effektiv mit der Öffentlichkeit kommuniziert, im Team Artikel für ein Laienpublikum verfasst und ein Projekt zur frühkindlichen Entwicklung voranbringt, das von den Ideen talentierter Menschen aus verschiedenen Sektoren profitiert. Das Stipendium wird von New America, dem International Congress of Infant Studies und der Jacobs Foundation angeboten.

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