Die Bildungslücke im ländlichen Ghana schliessen

In einer abgelegenen Bergregion Ghanas gibt es ein Projekt, für das ich mich bereits ein Drittel meines Lebens engagiere: das Akaa Project.  Akaa ist eine ländliche Gemeinde im Bezirk Yilo Krobo in der ghanaischen Eastern Region. Die Bauernfamilien dort sind zum Leben auf ihre Ernten angewiesen, und der Zugang zu elementaren Ressourcen und Services wie sauberem Wasser und medizinischer Versorgung ist keine Selbstverständlichkeit.

Das Projekt begann im Kleinen mit täglichem Unterricht für ein paar Dutzend Schüler und ist inzwischen zu einer Non-Profit-Organisation angewachsen, die die Bildungslücke in ländlichen Gemeinden durch Alphabetisierungsprogramme und Computerkurse schliessen will. Dazu haben wir ein einzigartiges Modell entwickelt, das tief in der Gemeinde verwurzelt ist, in der unser Team alle Schüler und deren Familien persönlich kennt.

2007 – Kein Zugang zu Grundbildung

Die Idee für das Akaa-Projekt entstand im Jahr 2007. Damals reiste ich zum ersten Mal nach Ghana und lernte dort die Menschen der Akaa-Gemeinde kennen. Da es vor Ort keine Schule gab, blieben die meisten Kinder zu Hause und hatten somit nicht einmal Zugang zu Grundbildung. Für mich hingegen war es der Sommer vor dem letzten Highschool-Jahr und ich befand mich mitten in der Bewerbungsphase fürs College. Der Gedanke an diesen Gegensatz liess mich auch zu Hause in den USA nicht mehr los.

In den nächsten Monaten entwickelte ich für diese Kinder einen Plan für täglichen Schulunterricht.  Noch ein paar Monate später schlossen sich die Bewohner von Akaa zusammen, um ein einfaches Gebäude mit hüfthohen Lehmwänden und einem Palmdach zu bauen. Die Kinder brachten Holzstühle von zu Hause mit, die sie als Tische und Sitzplätze verwendeten, drei Gemeindemitglieder mit Primarschulbildung stellten sich als Lehrer zur Verfügung und ich sammelte in meiner Heimatstadt Gelder für Tafeln und Kreide. Jetzt konnten 30 Kinder täglich zur Schule gehen.

Die frühkindliche Bildung hat noch nicht alle Winkel unserer Erde erreicht

In den ersten fünf Jahren des Programms wuchsen wir langsam, aber sicher. Unsere grösste Herausforderung bestand darin, die Kinder so früh wie möglich einzuschulen. Die Bedeutung frühkindlicher Bildung hat sich noch nicht in allen Winkeln unserer Erde herumgesprochen und in armen Gemeinden, wo Schulen vor Ort fehlen, ist ein früher Zugang zu Bildungsangeboten nahezu unmöglich.

Bevor wir unser Projekt starteten, besuchten nur etwa 20 Prozent der Kinder von Akaa eine Schule. Diese Schüler mussten eine Stunde den Berg hinauf und einen schmalen Waldweg entlang bis zur nächstgelegenen Schule laufen. Doch die grosse Entfernung führte zu hohen Fehlzeiten und viele Schüler brachen ihre Schulbildung bereits vor dem Ende der 9. Klasse wieder ab. Ausserdem wurden zahlreiche Kinder erst sehr spät eingeschult, weil sie fähig sein mussten, den langen Schulweg auf sich zu nehmen. Also begannen sie erst mit 9 bis 12 Jahren und verpassten die entscheidenden Jahre der kognitiven, sozialen, emotionalen und physischen Entwicklung.

2016 – Eine strategische Veränderung

Da es mittlerweile eine Schule in Laufnähe gab, wurden die Kinder nun bereits mit 4 Jahren eingeschult – und unsere Schule wuchs. 2016 nahmen wir eine strategische Veränderung vor. Wir kooperierten mit dem Ghana Education Service, der uns zusätzliche Lehrer zur Verfügung stellte und uns bei Logistik und Schulleitung unterstützte, und starteten zwei grosse Programme, die durch die Errichtung eines neuen Gebäudes möglich geworden waren. Unsere vor kurzem fertig gestellte Bibliothek, die gleichzeitig als Community Center fungiert, steht im Zentrum unserer Aktivitäten. Als Teil des Schulgeländes soll sie Kindern die Möglichkeit geben, ihre Neugier auszuleben und praktische Erfahrung mit Bildungsressourcen zu sammeln.

Durch die Partnerschaft des Akaa-Projekts mit Worldreader haben die Schüler Zugang zu lokalen Erzählbüchern und Lehrbüchern. Hier lesen die Schüler während der Unterrichtszeit in der Bibliothek gemeinsam.

Heranführung an Technologien

Durch unsere Partnerschaft mit der internationalen NGO Worldreader verfügen wir jetzt auch über eine E-Reader-Bibliothek. Auf 25 Kindle E-Readern sind lokale Geschichten und dem Lehrplan entsprechende Schulbücher gespeichert. Diese werden während des Unterrichts und für zusätzliche Lesezeiten verwendet. Unsere Community-Bibliothekarin hilft den Schülern vor und nach dem Unterricht bzw. in den Pausen, passende Geschichten zu finden, um ihre Lesefähigkeit weiter zu verbessern.

Ausserdem stehen in der Bibliothek fast 20 Laptops zur Verfügung. Auf dem Land fehlt vielen Schülern der Zugang zu Technologien – zu Hause oder in der Schule. Sie tun sich daher in landesweiten Tests in diesem Bereich schwerer und sind in geringerem Masse neuen Ideen und Denkweisen ausgesetzt. Mit der ghanaischen NGO Young at Heart GH erarbeiteten wir ein Programm und einen Lehrplan, um grundlegende Computerkurse mit einmal wöchentlichen praktischen Übungen anbieten zu können. Unsere Schüler, die niemals zuvor einen Laptop berührt hatten, waren anschliessend in der Lage, eine Powerpoint-Präsentation zu erstellen.

Vertrauen, Beteiligung und Integrität sind Voraussetzung

Für das Akaa-Projekt war es von Anfang an wichtig, die Gemeinde an Bord zu haben. Alle unsere Mitarbeiter kommen aus den Dörfern, in denen wir aktiv sind, und es gibt ein Gemeindekomitee aus Dorfältesten, Eltern und Grosseltern, die Entscheidungen mit treffen. So entstanden Vertrauen, eine starke Beteiligung und Integrität, wie man sie sonst bei grenzüberschreitenden Projekten nur selten findet. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir unter diesen Voraussetzungen auch weiterhin Bildungsmöglichkeiten im ländlichen Ghana schaffen können, um die nächste Generation auf die Zukunft vorzubereiten.

ÜBER DIE AUTORIN

Lauren Grimanis, Gründerin und Vorsitzende

Lauren gründete das Akaa Project im Anschluss an eine Reise nach Ghana im Jahr 2007. Sie wuchs in der Nähe von Boston, in Wayland, Massachusetts, auf und schloss 2012 das Studium am College of Wooster in Ohio mit Hauptfach Globale Entwicklung und Management ab. Nach mehrjähriger Tätigkeit für Non-Profit-Organisationen konzentrierte sie sich von 2014 bis 2016 darauf, das Akaa Project vor Ort voranzutreiben und lokale Kapazitäten zu schaffen.

Als Jacobs Business Fellow möchte Lauren die Möglichkeiten des Jacobs Netzwerks und der Stiftung nutzen, um Ideen und Praktiken aus verschiedenen Disziplinen zu sammeln und den sozialen Sektor weiterzuentwickeln. Sie interessiert sich dafür, wie Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und der Privatsektor – ähnlich wie bei TRECC – kooperieren können, um möglichst viele Menschen zu erreichen – besonders junge Frauen und Kleinbauern in Subsahara-Afrika. Lauren freut sich darauf, von den vielfältigen Kenntnissen ihrer Kollegen im Jacobs Netzwerk zu lernen und ihre eigenen Erfahrungen und ihr MBA-Wissen mit anderen zu teilen.

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