Deutsche Väter nehmen nur kurze Elternzeit

Die Einführung des Elterngeldes hat in Deutschland nur bis zu einem gewissen Mass Erfolg, wie eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt.

Seit der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 in Deutschland nutzen über 30% mehr Väter die Elternzeit. Meistens beziehen Väter jedoch nur das Minimum von zwei Monaten, wie eine neue Studie von DIW zeigt. Dagegen beziehen 90% der Mütter zehn bis zwölf Monate Elterngeld.

Um die Gleichstellung von Frauen und Männer als auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, wurde 2007 in Deutschland beim Elterngeld die sogenannten Partnermonate eingeführt. Sie sollen finanzielle Anreize setzen, dass Eltern den gemeinsamen Elterngeldanspruch partnerschaftlich nutzen. Die maximale Nutzungsdauer des Basiselterngeldes von 14 Monaten kann deshalb nur dann vollständig ausgeschöpft werden, wenn beide Partner mindestens zwei Monate in Elternzeit gehen, ansonsten reduziert sich der Anspruch auf zwölf Monate.

Doch es besteht ein grosses Ungleichgewicht zwischen dem Beanspruchen der Elternzeit von Vätern und Müttern. Zwar ist der Anteil der Väter, die überhaupt Elternzeit nehmen, seit 2007 kontinuierlich gestiegen (siehe Grafik). Verglichen mit dem Elterngeldbezug von Müttern, der kontinuierlich bei über 90 Prozent liegt, sind Väter in der Inanspruchnahme ihres Rechts auf bezahlte Elternzeit aber nach wie vor deutlich zurückhaltender. Die Einführung des Elterngeldes Plus in 2015 hat an typischen Nutzungsmustern kaum etwas geändert.

Katharina Wrohlich, eine co-Authorin der DIW Studie «Elterngeld und Elterngeld Plus: Nutzung durch Väter gestiegen, Aufteilung zwischen Müttern und Vätern aber noch sehr ungleich» sagt dazu: „Wir sehen, dass finanzielle Sorgen für Väter ein wichtiger Grund sind, nicht oder nur kurz in Elternzeit zu gehen. Eine Erhöhung der Lohnersatzrate von derzeit 65 Prozent wäre also ein Mittel, um die Väterbeteiligung zu erhöhen. Angesichts knapper fiskalischer Ressourcen könnte man sich dabei insbesondere auf den unteren Einkommensbereich konzentrieren.“

Elternzeit-Initiative in der Schweiz

In der Schweiz wird der Vaterschaftsurlaub intensiv debattiert. «2020 stimmen die Schweizer voraussichtlich über einen Vaterschaftsurlaub ab. Doch das 2016 lancierte Volksbegehren gilt schon heute als veraltet. Erstens muten die vier Wochen Papizeit gegenüber 14 Wochen Mutterschaftsurlaub mickrig an und erst recht die zwei Wochen, auf die sich das Parlament aller Voraussicht nach im Rahmen eines Gegenvorschlags einigt.» schreibt dazu der Tages Anzeiger. Der aktualisierte überparteiliche Vorschlag könnte eine paritätische Elternzeit-Initiative sein mit 15 Wochen für je einen Elternteil.

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