Ein Programm, das als inspirierendes Beispiel dient

Im Jahr 2016 erhielt die NGO ICS-SP aus Nairobi, Kenia, den Klaus J. Jacobs Best Practice Prize für ihr aussergewöhnliches Konzept, das landwirtschaftliche Unternehmungen und kompetente Kindererziehung in Ostafrika kombiniert. So sollen frühkindliche Entwicklung, Kindererziehung und landwirtschaftliche Praktiken in ländlichen Gegenden verbessert werden.

Beatrice Ogutu, die Direktorin von ICS-SP, sprach mit der Jacobs Foundation darüber, wie sich ihre Organisation seit der Auszeichnung verändert hat.

Wann und wie hatten Sie die Idee für „Skillful Parenting“?

Die Entwicklung der Methode begann im Jahr 2009. Damals erkannte man langsam die Bedeutung von Elternprogrammen für die Förderung der Entwicklung und des Wohlbefindens von Kindern in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Doch den Regierungen und anderen Stakeholdern fehlten und fehlen evidenzbasierte Programme vor Ort, die effektiv und grossflächig umgesetzt werden können. Also investierten sie ihre begrenzten Ressourcen in Elternprogramme oder arbeiteten mit modifizierten Methoden aus Ländern mit hohem Einkommen. Letzteres ist problematisch, da diese Ansätze nicht immer zur Kultur des Landes passen und häufig zu teuer sind, um sie grossflächig einzusetzen. Mit „Skillful Parenting“ konnte ICS-SP zeigen, dass es wichtig und machbar ist, Elternprogramme zu implementieren, die in und für Afrika entwickelt wurden. Inhalt und Auslieferung wurden so erstellt, dass sie den Bedürfnissen und Interessen afrikanischer Familien am besten entsprechen und vor Ort verfügbare Ressourcen und Strukturen nutzen.

Was hat sich verändert, seit Sie 2016 von der Jacobs Foundation ausgezeichnet wurden?

Wir konnten zahlreichen Akteuren aus Politik und Privatsektor in Ostafrika und der Elfenbeinküste anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse beweisen, dass es sich bei der Kindesentwicklung um einen multidimensionalen Prozess handelt. „Skillful Parenting“ konzentriert sich auf die frühe Kindheit, weiss jedoch um die Bedeutung kontinuierlicher Investitionen in späteren Phasen, um auf den während der frühen Kindheit erreichten Meilensteinen aufzubauen. Ausserdem haben wir erkannt, dass es zudem wichtig ist, sich um das Wohlergehen der Eltern zu kümmern. Auf diese Weise konnten wir unsere Sichtbarkeit als Vordenker und zuverlässiger Partner für Elternbildung global und regional in Afrika erweitern. Das führte wiederum zu neuen Partnerschaften und Finanzierungsmöglichkeiten.  Mit dem Preisgeld konnten wir unser „Skillful Parenting“-Programm um neue Informationen zu frühkindlicher Entwicklung und Ernährung erweitern und die Methode ins Französische übersetzen lassen. Das ermöglichte Kooperationen im frankophonen Afrika, vor allem in der Elfenbeinküste. Um unsere Reichweite und Wirkkraft zu erhöhen, haben wir ausserdem eine Community qualifizierter Teammitglieder und Assistenten ins Leben gerufen, die über die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, um eine Kultur der kompetenten Kindererziehung zu verbreiten.

Wie haben Eltern und Kinder auf das Programm reagiert?

Das Einzigartige an unserem „Skillful Parenting“-Programm sind Methode und Auslieferung. Erstens haben wir erkannt, dass Erziehungskompetenz für alle Phasen der Kindesentwicklung von grosser Bedeutung ist, und wollen mit unserem Programm daher Mütter, Väter und andere Betreuungspersonen mit Kindern von 0 bis 18 Jahren ansprechen.  Die Eltern treffen sich regelmässig zu Gruppengesprächen. Zweitens geht das Programm von einer lokalen Sicht auf Kindererziehung und Familie aus und nutzt für die Auslieferung und Adaption bestehende Strukturen in der jeweiligen Gemeinde. Für Eltern ist das Programm daher leicht zugänglich, sie können sich mit den Inhalten identifizieren und erkennen seinen Nutzen. Das spiegelt sich auch in den Erfahrungsberichten von Teilnehmern wider. Dieser hier stammt aus der Elfenbeinküste:

„Durch das „Skillful Parenting“-Programm haben wir gelernt, wie wir unsere Kinder erfolgreich erziehen. Uns ist klar geworden, wie wichtig Familie ist. Wir kommunizieren jetzt miteinander, haben ein gutes Verhältnis zueinander, respektieren und lieben uns. Jeder kennt seine/ihre Rolle und Verantwortung innerhalb der Familie. Wir wissen, was unsere Kinder brauchen und kennen die verschiedenen Phasen der Kindesentwicklung. Wir sind sehr dankbar für dieses Projekt!

Im Jahr 2018 konnten wir die Leben von beinah 80‘000 Kindern und Jugendlichen positiv beeinflussen – durch die Arbeit mit Eltern, Schulen, Gemeindeorganisationen und anderen Plattformen.

Beatrice Ogutu, Direktorin von ICS-SP.

“Das Programm dient als Inspiration für Regierungen und Zivilgesellschaft.”

 

 

Welche Partnerschaften waren für den Erfolg des „Skillful Parenting“-Programms besonders wichtig?

ICS-SP verfügt in Afrika über ein starkes Netzwerk mit Partnern für Umsetzung und Strategie sowie Verbindungen zur Wissenschaft. Wir profitieren von guten Beziehungen zu Landesregierungen und nehmen in nationalen Arbeitsgruppen zu Fachthemen im Bereich frühkindliche Entwicklung und Gewaltprävention eine Führungsrolle ein. Wir bringen unsere Erfahrungen ein und geben Erkenntnisse über optimale Vorgehensweisen weiter, um Einfluss auf nationale Richtlinien und Programme in Ostafrika zu nehmen. Unsere Kooperation mit TRECC, der Jacobs Foundation, der Bernard Van Leer Foundation, Kakaoherstellern und IPA war unerlässlich für eine Expansion in die Elfenbeinküste und eine entsprechende Anpassung des Programms für den dortigen Kontext. 2018 kooperierten wir mit PATH, um unser „Skillful Parenting“-Programm mit zusätzlichen Inhalten zu frühkindlicher Entwicklung und Ernährung zu bereichern. Mit unseren geballten Kapazitäten, strategischen Partnern sowie unseren Erfolgen im Rücken sind wir bestens auf eine weitere Wachstumsphase im Jahr 2019 vorbereitet.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Das „Skillful Parenting“-Programm dient als Inspiration für Regierungen und Zivilgesellschaft, ihre Richtlinien und Programme für die frühkindliche Entwicklung und die Gewaltprävention zu verbessern, und motiviert den Privatsektor, seine wirtschaftlichen Stärkungs- und Produktivitätsmassnahmen zu erhöhen.  Die über mehrere Jahre getätigten Investitionen in Programmentwicklung und Forschung haben Früchte getragen. So wird kompetente Kindererziehung in Kenia mittlerweile als Strategie zur Prävention von Kindesmisshandlungen anerkannt und wurde in den Leitfaden der Landesregierung zur Stärkung des Kinderschutzes aufgenommen.  Die tansanische Regierung würdigte „Skilful Parenting“ als eine von vier erfolgversprechenden Strategien zur Beendigung von Gewalt gegen Kinder und präsentierte den Ansatz im Jahr 2018 auf dem End Violence Solutions Summit in Stockholm. Derzeit sind wir Teil einer landesweiten Arbeitsgruppe, die sich mit der Entwicklung eines nationalen Curriculums für die Kindererziehung befasst. In der Elfenbeinküste konnten wir die Methode übersetzen und an den Landeskontext anpassen und dann mithilfe von Kakaoherstellern, TRECC und der ivorischen Regierung erfolgreich implementieren. Erste Resultate weisen darauf hin, dass eine kompetente Kindererziehung die frühkindliche Betreuung und Entwicklung und die Weiterentwicklung von Gemeinden fördert sowie die Kindesmisshandlung (und dazu gehört auch Kinderarbeit) reduziert.  Wir freuen uns sehr, dass wir als eine Art Labor dienen konnten, um zu erforschen, was für die Förderung der frühkindlichen Entwicklung und die Prävention von Kindesmisshandlung funktioniert.

Wohin, glauben Sie, wird sich die Organisation und das Programm in den nächsten 10 Jahren entwickeln?

Am wichtigsten sind nach wie vor eine grosse Reichweite und Nachhaltigkeit. ICS-SP will das „Skillful Parenting“-Programm in den kommenden Jahren noch grossflächiger verfügbar machen, ohne dabei etwas von seiner Qualität und hervorragenden Umsetzung einzubüssen.  Um die gewünschte Reichweite zu erzielen, werden wir verschiedene Wege einschlagen:

Unser Schwerpunkt liegt darauf, Politikern und Entscheidungsträgern eindeutige Beweise für erfolgreiche Ansätze zur Förderung der frühkindlichen Entwicklung und der Prävention von Kindesmisshandlung an die Hand zu geben.  Daher werden wir uns weiterhin intensiv mit dem Thema beschäftigen, unsere Erkenntnisse über die Vorteile kompetenter Kindererziehung weitergeben und damit die Weichen für eine grossflächige Umsetzung stellen.

Ausserdem untersuchen wir den möglichen Einsatz von Technologien, um Elternbildung im grossen Stil anzubieten, und bemühen uns um eine Zulassung für unseren Ansatz, damit er in Vorbereitungskursen sowie Trainings für staatliche Sozial- und Gesundheitsarbeiter integriert werden kann. Auf diese Weise möchten wir sicherstellen, dass die Mitarbeiter im Sozial- und Gesundheitswesen über die nötigen Kompetenzen verfügen, um Eltern und Kinder zu unterstützen.

Darüber hinaus suchen wir kontinuierlich nach neuen Partnern, um „Skillful Parenting“ in wirtschaftliche Programme und unternehmerische Massnahmen gegen Armut und soziale Isolation einzubetten, da diese als Risikofaktoren für Kinderarbeit und Gewalt gelten und eine Gefahr für die frühkindliche Entwicklung darstellen.

Neben Kenia, Tansania und der Elfenbeinküste überlegen wir, unser Programm auch in Ghana, Uganda, Ruanda und anderen afrikanischen Ländern anzubieten, in denen Nachfrage besteht und die Rahmenbedingungen für eine Umsetzung erfüllt sind.

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