Aufbau eines globalen Forschungsnetzwerks

Im Rahmen des diesjährigen  EFC Research Forum  „Thinking beyond national borders – Research and funding across boundaries” sprachen Wissenschaftler und Geldgeber über mögliche internationale Kooperationen im Stiftungsbereich. Das Forum fand vom 17.-18. Oktober in Hannover statt und wurde von der Volkswagen Stiftung ausgerichtet.

Es besteht Konsens darüber, dass internationale Kooperationen bei der Vergabe von Forschungsgeldern äusserst wertvoll sein können. Zu den Vorteilen zählen u. a. wirkungsvollere Forschungsergebnisse, die Pflege internationaler Partnerschaften, die Lösung länderübergreifender Probleme und der Kapazitätsaufbau. Allerdings steht diesen Chancen und den damit einhergehenden Herausforderungen ein sich wandelndes internationales Forschungsumfeld gegenüber.

Nur sehr wenige Privatstiftungen unterhalten globale Programme zur Forschungsförderung. Manche sind durch ihre Satzung eingeschränkt, andere lassen sich von den operativen Herausforderungen abschrecken. Doch eine Stiftung, die in ihrem Tätigkeitsbereich Vorreiter sein will, darf bei der Vergabe von Forschungsgeldern nicht an der eigenen Landesgrenze Halt machen. Die Jacobs Foundation unterhält bereits seit 2015 ein globales Programm zur Forschungsförderung – das Jacobs Foundation Research Fellowship Program – und wurde deshalb gebeten, im Rahmen der Konferenz einen Workshop abzuhalten. Gemeinsam mit Cosima Crawford (Nomis Foundation) und dem ehemaligen Jacobs Young Scholar Peter Titzmann (Leibniz Universität Hannover) gingen wir darin auf folgende Fragen  ein: Wie identifiziert man die für einen bestimmten Interessensbereich relevanteste Forschung und die innovativsten und talentiertesten Wissenschaftler weltweit? Wie plant und realisiert man Förderprogramme, die für Wissenschaftler aus unterschiedlichen akademischen Systemen interessant sind? Worauf muss man dabei besonders achten? Wie lassen sich die sozialen Medien und andere digitale Technologien für ein solches globales Programm nutzen?

Simon Sommer, Head of Research, Jacobs Foundation, am EFC Forum.

Wenn wir von einem „globalen Programm“ sprechen, ist damit nicht die Zusammenarbeit zwischen Stiftungen einiger weniger Länder gemeint, sondern ein Förderprogramm, das Antragstellern aus der ganzen Welt offen steht. Das bedeutet nicht nur, dass man Forschungsanträge aus aller Welt akzeptiert, sondern auch, dass man bereit sein muss, mit Institutionen bzw. Einzelpersonen aus unterschiedlichen akademischen Systemen Verträge abzuschliessen, Zahlungen über unterschiedliche Banksysteme abzuwickeln und ein Programm zu erarbeiten, das für Wissenschaftler aus fünf Kontinenten interessant ist.

Dies sind einige der Tipps, die den Teilnehmern mit auf den Weg gegeben wurden:

  • Seien Sie sich kultureller Unterschiede bewusst – in allen Bereichen. „Das gilt für die richtige Einordnung überschwänglicher Empfehlungsschreiben von US-Professoren ebenso wie für die Arbeitsweise in der Finanzverwaltung ausländischer Universitäten“, erklärte Julia Wyss.
  • Berücksichtigen Sie indirekte Kosten („Overhead“). In manchen Ländern ist das ein Muss und stärkt die Position der Wissenschaftler in ihren Institutionen.
  • Erlauben Sie den Wissenschaftlern, mit den Forschungsgeldern auch einen Teil ihres Gehalts zu finanzieren. In Europa ist das eher unüblich, in anderen Ländern, wie den USA, fast unerlässlich.
  • Geben Sie den Empfängern von Forschungsgeldern die Möglichkeit, zusätzliche Gelder für Networking / Seed-Funding zu beantragen. Wie Peter Titzmann erklärte, sind diese beiden Förderarten für Nachwuchswissenschaftler besonders wichtig, um internationale Partnerschaften aufzubauen, gleichzeitig aber nur schwer zu bekommen.
  • Achten Sie auf schlanke und einfache Prozesse und stellen Sie sicher, dass Ihnen genug Personal – mit angemessenen Qualifikationen – zur Verfügung steht, um ein derartiges Programm zu unterhalten.
  • Klären Sie, ob Sie bereit und in der Lage sind, die Empfänger Ihrer Forschungsgelder zu unterstützen, wenn der Wechselkurs schwankt. Akzeptieren Sie die Abrechnungen in der Landeswährung.
  • „Berücksichtigen Sie Unterschiede in der Infrastruktur”, fügte Simon Sommer abschliessend hinzu. „Manche Wissenschaftler arbeiten einfach nicht an Institutionen, an denen so geforscht wird, wie wir das gewohnt sind. ”

Stiftungen, die es wagen wollen, ein durch und durch internationales Programm auf die Beine zu stellen, müssen zunächst auf Führungsebene einige Entscheidungen treffen, um grundlegende Prozesse zu ändern, und später bereit sein, fast täglich kreative Lösungen und Kompromisse zu finden.