Schul-Aggregatoren

Das globale Schulsystem mit rund 5 Millionen Schulen ist stark fragmentiert. Die verschiedenen schulischen Teilsysteme und Netzwerke funktionieren aufgrund unterschiedlicher geografischer oder thematischer Schwerpunkte überwiegend in Silos. Gleichzeitig verfügen einzelne Schulen und schulische Akteure nur über begrenzte Möglichkeiten, um zu relevanten wissenschaftlichen Erkenntnissen beizutragen, auf diese zuzugreifen und sie zu nutzen, um so ihren Unterrichtsalltag zu bereichern und letztlich die Lernergebnisse der Schüler zu verbessern. Schulleiter und Lehrer sind nur selten an politischen Debatten beteiligt, sei es auf regionaler, nationaler oder globaler Ebene. Zudem ist das Peer-Learning über verschiedene Schulen und Bildungssysteme hinweg in der Regel begrenzt, obwohl sich die Bedeutung solcher Praxisgemeinschaften immer stärker abzeichnet.

Das übergreifende Ziel von Learning Schools ist es, ein globales Schulsystem zu fördern, das die Gewinnung und den Austausch von Forschungsergebnissen und bewährten Schulpraktiken erleichtert, Peer-Learning zwischen Schulen ermöglicht und Anreize zur Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse für den Unterricht und die Entscheidungsfindung schafft. Um unsere Wirkung zu maximieren, arbeiten wir mit so genannten Schul-Aggregatoren zusammen. Dabei handelt es sich um Organisationen oder Institutionen, die eine grosse Anzahl von Schulen innerhalb nationaler Bildungssysteme und darüber hinaus miteinander in Verbindung bringen. Die Rollen der Schul-Aggregatoren können von der Festlegung von Lehrplanstandards über die Schaffung einer Praxisgemeinschaft bis hin zum Informationsaustausch innerhalb von Netzwerken reichen.

Die langfristigen Partnerschaften mit diesen Schul-Aggregatoren sollen die verschiedenen Teilsysteme des globalen Schulsystems stärken und miteinander verbinden, wie beispielsweise öffentliche oder private Schulen, Schulen in ressourcenreichen oder ressourcenarmen Kontexten sowie Schulen mit einem bestimmten Lehrplan oder pädagogischen Ansatz.

Kernziele der Partnerschaften sind:

  • Vielversprechende schulische Praktiken zu identifizieren, stärken und kodifizieren,
  • bewährte Praktiken durch angewandte Forschung zu testen und weiterzuentwickeln,
  • relevante wissenschaftliche Erkenntnisse zu verbreiten und Best Practices zu replizieren, sowie
  • das Peer-Learning unter den Schulakteuren und über Schul-Aggregatoren hinweg zu erleichtern.

Unsere aktuellen Partnerschaften sind:

  • Hintergrund
    Weltweit wird ein grosser und stetig zunehmender Anteil der Kinder in nicht-staatlichen Schulen unterrichtet. Der nicht-staatliche Schulsektor besteht aus einer vielfältigen Mischung aus gemeinnützigen, gewinnorientierten und glaubensbasierten Institutionen. Dieser Bereich hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine wichtige Rolle in nationalen Bildungssystemen eingenommen. Dies wird deutlich an der raschen Ausbreitung kostengünstiger Privatschulen in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen. Besonders dort, wo das staatliche Angebot unzureichend ist, haben nicht-staatliche Anbieter den Zugang zu Bildung offenbar erfolgreich erweitert und die Anzahl der verfügbaren Schulplätze erhöht.Trotzdem herrscht weiterhin vielerorts ein niedriges Lernniveau sowohl in nicht-staatlichen als auch in staatlichen Schulen. Deshalb engagieren sich Unternehmer mit sozialem Anliegen seit einem Jahrzehnt vermehrt in diesem Sektor: Sie haben innovative Schulmodelle etabliert, um eine hochwertige und trotzdem erschwingliche Grundbildung anzubieten. Leider arbeiten viele dieser Vorreiter als allein stehende Leuchtturmbeispiele, d. h. ihnen mangelt es an Beziehungen und Zugang zu Know-how, um ihr Angebot effektiv zu skalieren.Das Netzwerk Global Schools Forum (GSF) wurde ins Leben gerufen, um das schnelle Wachstum und die Qualitätsunterschiede bei nicht-staatlichen Bildungseinrichtungen in Subsahara-Afrika, Südamerika und Asien anzusprechen. Diese Organisation möchte bis 2024 insgesamt 200 Mitglieder erreichen, und umfasst bereits heute mehr als 60 Mitglieder mit insgesamt 30’000 Schulen. Das GSF konzentriert sich dabei auf die Punkte Zusammenarbeit & Best Practice, Politik & Partnerschaften sowie Daten & Evidenz.
  • Die Zusammenarbeit
    Die Jacobs Foundation unterstützt das GSF bei der Entwicklung seiner Daten und Evidenz-Strategie. Dabei sollen hochwertige globale ‘Public Goods’, also öffentlich zugängliche Güter, entstehen sowie eine Partnerschaft mit Forschungsorganisationen, um diese Arbeit gemeinsam zu entwickeln und zu leiten. Die drei Kernkomponenten sind: 1. Learning Labs, um vielversprechende bestehende Innovationen unter den GSF-Mitgliedern zu identifizieren und zu skalieren; 2. eine jährliche Mitgliederbefragung, um Daten zu einer Reihe von gemeinsamen Kennzahlen der GSF-Mitglieder zu erheben; 3. ein halbjährlicher Bericht über den «State of the Sector», der sich auf die Konsolidierung und Analyse der neuesten Erkenntnisse zu Qualität und Wachstum des nicht-staatlichen Bildungssektors konzentrieren wird.
  • Dauer:
    März 2021 – März 2024
  • Kontakt:
    Nora Marketos und John Soleanicov, Co-Leads Learning Schools
  • Hintergrund
    Das International Baccalaureate (IB) ist eine weltweit anerkannte Bildungsorganisation, die einen internationalen Lehrplan für private und öffentliche Schulen umsetzt.  Mit diesem Lehrplan sollen Schüler zu kritischen Denkern mit mehrsprachigen Fähigkeiten und internationaler Mentalität heranreifen. Ausserdem werden die Schülerkompetenzen zur Problemlösung systematisch gefördert. Vier Programme an mehr als 5’000 Schulen weltweit bieten diesen Lehrplan an.Das IB ist angesichts seiner Vorreiterrolle bei der evidenzbasierten Entwicklung von Zukunftskompetenzen in Schulen weltweit bestens positioniert, um uns als einer unserer Schulaggregatoren bei unserem Ansatz «Evidence to Action to Systems» zu unterstützen.  Ausserdem hilft das IB der Jacobs Foundation dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren, transferieren und umzusetzen, indem die Grenzen des Lernens erforscht, vielversprechende Ansätze rigoros getestet und Best Practices in der Lehre kodifiziert werden.
  • Die Zusammenarbeit
    Mit einem «Mastery Transcript» soll ein Kompetenzraster entwickelt werden, das es Lehrern ermöglicht, die Fortschritte der Schüler in Bezug auf Kreativität und Neugier zu erfassen. Zudem sollen vielversprechende Unterrichtsansätze, die diese beiden wichtigen Kompetenzen des 21. Jahrhunderts fördern, in den Schulen identifiziert und bewertet werden.  Auf dieser Basis sollen Lehrer und Schulen künftig den Fokus über die Vermittlung und Leistungsbewertung von Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen hinaus erweitern können.Das Kompetenzraster wird vom Australian Council for Educational Research (ACER) entwickelt. Das Council wird zudem Daten über die bereits bestehende Vermittlung von Zukunftskompetenzen an verschiedenen IB-Schulen auf der ganzen Welt erheben.Das Oxford University Centre for Educational Assessment (OUCEA) wird vielversprechende Unterrichtsmethoden zu Kreativität und Neugier in den Klassenzimmern von ausgewählten IB-Schulen weltweit erforschen. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse sollen relevante Unterrichtsmaterialien für Lehrer zum Einsatz an Schulen entwickelt werden, um Neugier und Kreativität der Schüler effektiv zu stärken.
  • Dauer:
    Juli 2020 – Dezember 2021
  • Kontakt:
    Nora Marketos, Co-Lead Learning Schools und Cathrin Jerie, Program Manager
  • Hintergrund
    Schools2030 ist ein auf zehn Jahre angelegtes Programm zu gemeinschaftlicher Forschung und Verbesserung von Lernprozessen. Es wird an 1’000 staatlichen Schulen in benachteiligten Umfeldern in zehn verschiedenen Ländern durchgeführt. Schools2030 basiert auf den Grundsätzen des ‘human-centered Design’, das den Mensch ins Zentrum rückt, und konzentriert sich auf die wichtigsten Übergangsjahre der Schüler im Alter von 5, 10 und 15 Jahren. Das Ziel von Schools2030 besteht darin, mithilfe lokal verwurzelter schulischer Lösungen systemische Ansätze zu fördern, die bis 2030 zur Verbesserung des ganzheitlichen Lernens beitragen.Das übergeordnete Ziel des Schools2030-Programms besteht darin, Lernergebnisse zu verbessern und die Handlungsfähigkeit der Akteure auf Schulebene zu steigern. So soll der Diskurs darüber, «was funktioniert», von unten nach oben vorangetrieben werden – und nicht von oben nach unten. Das Herzstück des Schools2030-Ansatzes ist die Erkenntnis, dass Schulen wesentliche Treiber des sozialen Wandels sein sollten.
  • Die Zusammenarbeit
    Eines der Hauptziele der Partnerschaft mit Schools 2030 ist die Entwicklung und Umsetzung eines «Teacher Solutions Bootcamp».  Dieses Bootcamp wird die Kompetenzen der Schulakteure im Schools2030-Netzwerk von 1’000 Schulen stärken. Es wird sie in die Lage versetzen, ihre Lösungen auf Schulebene besser zu konzipieren, messen, kodifizieren, bündeln und einem bildungspolitischen Publikum auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu präsentieren.Zweitens soll eine Reihe von globalen Forschungsstipendien die Faktenbasis zur Variabilität des Lernens verbessern. Diese Forschungsprojekte sollen mithilfe einer umfassenden Verbreitungsstrategie dazu beitragen, dass die Verbindungen zwischen dem Schools2030-Netzwerk bestehend aus Schulen, Regierungen, Geldgebern und Mitgliedern der Zivilgesellschaft zu führenden Experten der globalen Forschungsgemeinschaft gestärkt werden.
  • Dauer:
    Juli 2021 – Juni 2024
  • Kontakt:
    Nora Marketos, Co-Lead Learning Schools und Gelgia Fetz, Co-Lead Learning Minds
  • Hintergrund
    Teach For All ist ein globales Netzwerk, das gemeinschaftliche Führungsqualitäten fördert, damit alle Kinder ihr Potenzial ausschöpfen können.  Seit seiner Gründung ist Teach For All zu einem Netzwerk von unabhängigen, lokal geführten Partnerorganisationen in 60 Ländern auf sechs Kontinenten angewachsen, darunter die Gründungspartner Teach For America und Teach First. Jeder Netzwerkpartner von Teach For All fördert Leadership auf lokaler Ebene, indem vielversprechende zukünftige Führungskräfte rekrutiert und ausbildet werden, damit diese in ressourcenarmen Schulen und Gemeinden ihrer Länder unterrichten. Darüberhinaus wird die Zusammenarbeit mit anderen Partnern innerhalb und ausserhalb des Bildungswesens unterstützt, damit alle Kinder die Bildung, Unterstützung und Chancen erhalten, um eine bessere Zukunft für sich selbst und für uns alle zu gestalten
  • Die Zusammenarbeit
    Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit zwischen der Jacobs Foundation und Teach For All steht das Teach For All Global Learning Lab, das Schulpraktikern auf der ganzen Welt kollektives Lernen ermöglicht. Auf diese Weise sollen praxisnahe Erkenntnisse über die Arbeit, Massnahmen und Denkweisen von Lehrkräften gewonnen und verbreitet werden, damit jedes Kind sein einzigartiges Potenzial entfalten kann. Mit Unterstützung der Jacobs Foundation wird Teach For All Methoden und Empfehlungen aus der angewandten Forschung in das Global Learning Lab einbringen. Auf diese Weise sollen praxisnahe Unterrichtsmittel für Lehrkräfte und Schulleiterinnen und Schulleiter auf der ganzen Welt entwickelt und verbessert werden. Zudem soll die Wirkung dieser Mittel überprüft und wichtige Erkenntnisse über schülerzentriertes Unterrichten und Lernen verbreitet werden. Ausserdem soll die Zusammenarbeit den Wirkungsgrad des “Teach For All”-Kurses «Inclusive Education» und des damit verbundenen Lehrerstipendiums erhöhen. Der Kurs hat zum Ziel, auf die individuellen Lernbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler mit kulturbasierter Pädagogik, ‘Universal Design for Learning’ und Metakognition einzugehen.
  • Partner:
    Teach For All
  • Dauer:
    August 2021 – Juli 2022
  • Kontakt:
    Nora Marketos, Co-Lead Learning Schools
  • Hintergrund
    Young 1ove ist eine Nichtregierungsorganisation (NGO) mit Sitz in Gaborone, Botswana. Die Organisation skaliert Programme aus den Bereichen Gesundheit und Bildung, die nachweislich erfolgreich und wirksam sind, im südlichen Afrika. Sie arbeitet evidenzbasiert mit Programmen, die von Jugendlichen für Jugendliche durchgeführt werden.Während der COVID-19-Pandemie hat Young 1ove in Botswana erfolgreich Low-Tech-Lösungen entwickelt und eingeführt, mit denen Eltern ihre Kinder daheim mithilfe von Textnachrichten und direkten Telefonaten unterrichten und fördern können. Dieser gezielte Unterrichtsansatz berücksichtigt die Prinzipien von «Teaching at the Right Level» (TaRL), einer bewährten und sehr kosteneffizienten Methode, in Umfeldern mit geringen Mitteln den Unterricht auf das Lernniveau und nicht auf das Alter oder die Klassenstufe anzupassen.
  • Die Zusammenarbeit
    Die Jacobs Foundation unterstützt Initiativen, mit denen die negativen Auswirkungen von Schulschliessungen aufgrund von COVID-19 gemindert und ein kontextübergreifender Erfahrungsaustausch ermöglicht werden. Die erfolgreiche und detailliert ausgewertete Methode aus Botswana wird nun in 3 bis 5 weiteren Ländern umgesetzt und erprobt.  Die Ergebnisse der Studie haben das Potenzial, eine erfolgreiche und evidenzbasierte Massnahme über verschiedene Länder hinweg zu skalieren und die jeweils unterschiedlichen Rahmenbedingungen zu vergleichen. Die in Botswana getesteten Low-Tech-Lösungen haben das einzigartige Potenzial, auch nach der Pandemie die Massen zu erreichen – besonders schwächer gestellte Familien mit geringer Lese- und Schreibkompetenz und begrenzter Internetanbindung zu Hause.
  • Dauer:
    November 2020 – Dezember 2021
  • Kontakt:
    Nora Marketos, Co-Lead Learning Schools und Romana Kropilova, Program Specialist
  • Background:
    Der VSLCH wurde 1994 als Dachorganisation der Kantonalverbände für Schulleiterinnen und Schulleiter der deutschsprachigen Schweiz gegründet. Der Verband verfolgt übergeordnete bildungspolitische Ziele für die Schule der Zukunft: ein sozial gerechtes und nachhaltiges Bildungssystem und Zusammenarbeit mit allen relevanten Organisationen und Fachpersonen; Bildungs- und Lebensqualität für die Lernenden und Lehrenden; Unterstützung zur Qualitätsentwicklung der Schweizer Volksschulen und Unterstützung wirkungsvoller Steuerung der Organisation der Schulen. Schulleitungen kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Der Verband versteht sich als Brückenbauer auf nationaler Ebene und nimmt aktiv Einfluss auf die schweizerische Bildungspolitik.
  • Zusammenarbeit:
    Die Jacobs Foundation unterstützt zwei Projekte von VSLCH. Eine Studie zur Professionalisierung von Schulleitungen und eine Publikation zu Best Practices für das Lernen der Zukunft.Bis heute fehlen in der Schweiz systematisch und kontinuierlich erhobene Daten zu Schulleitungen und deren pädagogischer Rolle. In Zusammenarbeit mit CLACESO (Conférence Latine des Chefs d’Etablissement de la Scolarité Obligatoire) und der Fachhochschule Nordwestschweiz führt der Verband eine Studie zur Professionalisierung von Schulleitungen durch damit die Schulleitungen die bestmöglichen Rahmenbedingungen in ihren Schulen schaffen können.Im Schweizer Bildungswesen gibt es – mit Ausnahme des Lehrplan 21 – keine allgemein gültige und nachhaltige Vision von Best Practices für das Lernen der Zukunft. Der VSLCH will deshalb mit dem 2021 publizierten Buch «Schule 21 macht glücklich» den Boden für eine gemeinsame Vision bereiten. Fachpersonen aus der Praxis, der Forschung, Verbänden und anderen Bildungsrelevanten Bereichen bringen ihre Ideen und Pläne ein.
  • Contact:
    Nora Marketos, Co-Lead Learning Schools, Julia Wyss, Program Manager

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