Mehr Wirkung für EdTech

Für das weltweite Bildungswesen war das Jahr 2020 ein gewaltiger Umbruch: 1,5 Milliarden Kinder konnten aufgrund von Lockdowns nicht zur Schule gehen. Gleichzeitig war das Jahr ein Meilenstein für die EdTech-Branche, die mehr als 16 Milliarden Dollar Risikokapital einwerben konnte. 2021 könnte dieser Rekord noch übertroffen werden – ein vielversprechendes Signal für anhaltende Investitionen in Bildungstechnologien rund um den Globus. Gleichzeitig stellen sich wichtige Fragen zur Rolle von EdTech bei der globalen Zunahme sozialer Unterschiede und Ungleichheiten. Vor diesem Hintergrund bietet sich die einmalige Chance, die Richtung der EdTech-Branche mitzubestimmen und sie zu einem Treiber für positiven Wandel im Bildungswesen zu machen.

Durch Veränderungen in drei Schlüsselbereichen kann das Potenzial der Bildungstechnologien ausgeschöpft und die erwünschte Wirkung erzielt werden:

  • Wissenschaftliche Daten müssen bei Investitionsentscheidungen ein integraler Bestandteil werden.
    Obwohl Bildungstechnologien immer stärker genutzt werden, fehlt häufig der Nachweis über deren Wirksamkeit. Wirtschaftlich erfolgreiche Modelle verfügen selten über eine ausreichende Evidenzbasis, um ihre positive Auswirkung auf das Lernen zu beweisen. Damit EdTech nachhaltig Wirkung entfalten kann, müssen wissenschaftliche Daten bei Investitionsentscheidungen stärker berücksichtigt werden.
  • Forschung muss eine Schlüsselrolle in der Entwicklung und beim Einsatz von EdTech-Produkten spielen. Die Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit von EdTech – z. B. in Bezug auf personalisiertes Lernen – sind vielversprechend, dennoch werden sie im Produktdesign oder bei Kaufentscheidungen selten als Grundlage genutzt. Nur die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft kann sicherstellen, dass Forschungsergebnisse in die Entwicklung und die Nutzung von EdTech-Produkten einfliessen.  
  • Durch strategische Zusammenarbeit von Stiftungen kann die Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse im EdTech-Bereich vorangetrieben werden.
    Führende Stiftungen im Bereich EdTech können als Lern- und Investitionsgemeinschaft Anreize schaffen, damit Forschungsergebnisse stärker eingesetzt sowie Investitionsstandards und Ratingsysteme entwickelt werden. Ausserdem können sie Unternehmen und Konsumenten dabei unterstützen, stärker auf forschungsbasierte Wirksamkeit zu achten.

Im Rahmen der Strategie 2030 hat sich die Jacobs Foundation verpflichtet, 500 Millionen Schweizer Franken für Lernen und Bildung auf globaler Ebene zu investieren. Davon fliessen 40 Millionen Schweizer Franken in drei grosse, sich gegenseitig verstärkende Initiativen, um die Wirkung von EdTech weltweit voranzutreiben:

  • Learning EdTech Impact Funds (LEIF)
    Insgesamt 30 Millionen Schweizer Franken werden in führende EdTech-Venture Capital-Fonds (VC) investiert, um die Nutzung von Forschungsergebnissen in der Bildungstechnologie bei Investoren und Portfolio-Gesellschaften zu fördern. Diese VC-Fonds verpflichten sich, Forschungsergebnisse in Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen, Investitionen auf unterschiedliche Empfänger und Regionen aufzuteilen und bei Forschungsprojekten mitzuwirken. Die Portfolio-Gesellschaften profitieren von der Zusammenarbeit mit Spitzenforschern des Jacobs Networks, deren Forschung für die Entwicklung und Nutzung von EdTech-Produkten relevant ist. Die Erkenntnisse der LEIF-Initiative sollen in die EdTech-Entscheidungen von Stiftungen und öffentlichen Verwaltungen einfliessen, unter anderem hinsichtlich der Ausarbeitung von Investitionsstandards und einer besseren Datennutzung im Investitionsprozess. Partner-VC-Fonds der Jacobs Foundation sind bisher: BrightEye VenturesEducapital, Learn Capital, New Markets Venture Partners, Reach Capital, Rethink Education und Sparkmind.vc.
  • Connecting the EdTech Research EcoSystem (CERES)
    Die CERES-Forschungseinrichtung mit Mitteln in Höhe von 10 Millionen Schweizer Franken soll Wissenschaft und Wirtschaft zusammenbringen und so eine Lücke schliessen, die die Weiterentwicklung vielversprechender EdTech-Modelle bisher verhinderte. CERES, mit Sitz an der University of California Irvine (UCI), soll richtungsweisende Open Science-Forschung leisten und Partnerschaften für strategisches Lernen und Datenaustausch mit EdTech-Unternehmen eingehen. Die Initiative soll Fachwissen aus Informatik, Mensch-Computer-Interaktion sowie Bildung und Psychologie zusammenbringen. Die Forschungsarbeit soll zu einem besseren Verständnis hinsichtlich der zunehmenden digitalen Kluft beitragen. Ausserdem soll die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und EdTech-Führungskräften verstärkt werden, um Forschung, Innovation und evidenzbasierte Produkte auf die nächste Ebene zu heben. CERES wird durch eine Anschubfinanzierung der Jacobs Foundation ermöglicht und soll langfristig selbsttragend arbeiten.
  • Education Foundations Investing in Research and Systems Transformation​ (EdFIRST)
    EdFIRST ist ein noch junger Zusammenschluss namhafter Stiftungen, die EdTech-Unternehmen und -Forschung finanzieren. Die Initiative will den Fokus der Branche stärker auf evidenzbasierte Wirksamkeit richten. EdFIRST ist als Lerngemeinschaft konzipiert und engagiert sich unter Führung der Jacobs Foundation für eine zunehmende Nutzung von Evidenz bei Investitionsentscheidungen und für Veränderungen von Praktiken und Standards in EdTech-Unternehmen. Ziel dieses Zusammenschlusses ist es, das EdTech-Ökosystem zu stärken und eine gross angelegte Verschiebung hin zu nachweislicher Wirksamkeit von Bildungstechnologien zu unterstützen, um damit die Bildungspolitik global und lokal bis 2030 und darüber hinaus mitzubestimmen. 

LEIF, CERES und EdFIRST ergänzen sich gegenseitig und schaffen die Möglichkeit einer bislang einzigartigen Zusammenarbeit von EdTech-Unternehmen, führenden Forschungseinrichtungen und gemeinnützigen Organisationen.

Unlocking The Impact Of EdTech (Übersicht in Englisch)

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