10 Fragen an Hans Ambühl

Hans Ambühl ist Rechtsanwalt und ehemaliger Generalsekretär der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren. Er gilt seit vielen Jahren als profunder Kenner des Schweizer Bildungssystems und der Schweizer Politik. Seit 2013 ist er Stiftungsrat der Jacobs Foundation. Hier hat er uns 10 Fragen zu seiner Arbeit bei uns beantwortet.

1. Warum sind Sie dem Stiftungsrat der Jacobs Foundation beigetreten?
Als ich zur Mitgliedschaft im Stiftungsrat der Jacobs Foundation berufen wurde, geschah dies aufgrund von Kontakten, welche mich bereits seit mehreren Jahren mit der Stiftung verbanden. Als Generalsekretär der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) hatte ich im Beirat des Jacobs Foundation-Programms «Bildungslandschaften» mitgewirkt. Dabei erachtete ich es als meine Aufgabe, die besonderen Rahmenbedingungen solcher Projektarbeit in der direktdemokratischen und kleinräumig föderalistischen Schweiz zu erklären und darauf angepasste Vorgehensweisen zu vermitteln. Diese Funktion unter Ausschöpfung meiner Kenntnisse des schweizerischen Bildungssystems auch in den Stiftungsrat der Jacobs Foundation einzubringen, schien mir sinnvoll.

2. Wie würden Sie Ihre Arbeit als Stiftungsratsmitglied der Jacobs Foundation einem Schulkind beschreiben?
Die Stiftung der Familie Jacobs will mit ihren Aktivitäten dazu verhelfen, dass möglichst viele Kinder und Jugendliche ihr Leben selbständig und glücklich gestalten können. Sie unterstützt deshalb die Schulen und Lehrkräfte dabei, alle Schülerinnen und Schüler – unabhängig von deren Herkunft – bestmöglich zu unterrichten und jedes Kind nach seinen individuellen Fähigkeiten bestmöglich zu fördern. Dafür bringt die Stiftung weltweit die gescheitesten Köpfe zusammen und sucht weltweit nach den geeignetsten Mitteln und Methoden.

3. Welche Fähigkeiten und Erfahrungen bringen Sie in den Stiftungsrat der Jacobs Foundation ein?
Neben meinem juristischen Handwerkszeug kann ich meine Kenntnisse und langjährigen Erfahrungen mit der Steuerung von Bildungssystemen und mit dem politischen System der mehrkulturellen Schweiz in den Stiftungsrat einbringen.

4. Warum ist das Kernthema «Lernunterschiede» der Jacobs Foundation Strategie 2030 heutzutage relevant?
Ohne Differenz kein Leben! Diese Regel, die wir schon aus der Biologie kennen, hat es oft schwer, in der Wirklichkeit der formalen Bildung zu ihrem Recht zu kommen. Es ist im komplexen Schulalltag anspruchsvoll, jedes Kind so zu fördern, dass es seine individuellen Talente optimal entwickeln kann. Aber genau darum müssen wir uns mehr als je bemühen. Angesichts der beschleunigten gesellschaftlichen und technologischen Entwicklung brauchen die Menschen vielfältige Kompetenzen, um selbständig und eigenverantwortlich ein Leben lang zu lernen und gegenüber sich und der Umwelt verantwortlich zu handeln.

5. Was sind die grössten Herausforderungen und Chancen beim Vorgehen der Jacobs Foundation?
Die Jacobs Foundation ist international tätig und damit auch selbst mit Differenz konfrontiert, da sie mit ihrer Tätigkeit in höchst unterschiedlichen Kontexten aktiv ist. Dieselben Ziele in unterschiedlichen Kontexten anstreben – daraus will die Stiftung lernen und zusätzlichen Erkenntnisgewinn schöpfen. Das ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Es setzt voraus, in den jeweils stark unterschiedlichen gesellschaftlichen und ökonomischen, kulturellen und politischen Rahmenbedingungen die jeweils geeigneten Mittel und Wege zu finden, um vergleichbar erfolgreich zu sein. Denn die Jacobs Foundation sucht diesen Erfolg nicht nur im punktuell gelungenen Projekt, sondern zielt auf systemische Wirkung in der Breite. Die anspruchsvollen Programme der Stiftung sind mithin Lernerfahrungen ersten Ranges.

6. Was sind Ihre Prioritäten als Stiftungsratsmitglied und Mitglied einer Arbeitsgruppe des Stiftungsrats?
Als Mitglied des Stiftungsrats versuche ich in erster Linie dazu beizutragen, dass die Programme der Stiftung vor Ort konkret und nachhaltig wirksam sind.

7. Bitte vervollständigen Sie den Satz: Lernen ist…
… lebenslanges Gewinnen und Aneignen von Kenntnissen und Fertigkeiten.

8. Was bedeutet Lernen für Sie persönlich?
Lernen bedeutet für mich persönlich, dass ich als Mensch nie «fertig» bin; dass ich immer offen bleiben will für neue Erfahrungen und Einsichten.

9. Wer hat Sie im Laufe Ihrer Karriere inspiriert?
Am nachhaltigsten geprägt haben mich authentische Lehrerpersönlichkeiten und glaubwürdige Vorbilder.

10. Welche Bücher, die Sie gelesen haben, können Sie empfehlen?
Oh, da gibt es so viele und so unterschiedliche Bücher, die für mich wichtig waren und jeweils aktuell wichtig sind, dass es schwierig ist, einzelne zu benennen – das reicht von Lehrbüchern und Sachbüchern über Belletristik bis zur Lyrik. Dabei mache ich die Erfahrung, dass es für mich das beste Buch im Sinne des besten Rezepts nie gibt; aber im guten Fall bewirkt jede Lektüre einen Erkenntnisfortschritt – oft übrigens auf unerwartete Weise, zum Beispiel beim Lesen von Gedichten! 

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